Die globale Energielandschaft im Jahr 2016

10 wissenswerte Fakten

Was waren rückblickend die entscheidenden Faktoren auf den Weltenergiemärkten im Jahr 2016? Finden Sie im Folgenden die zehn bedeutendsten Trends und Entwicklungen, die das Economics Team von BP um Chefvolkswirt Spencer Dale in der 66. Ausgabe des BP Statistical Review of World Energy zusammengetragen hat.

1. Drei-Jahres-Zyklus: schwaches Wachstum der Energienachfrage

Es ist die Kernaussage der diesjährigen Ausgabe des Statistical Review zum Thema Energieverbrauch: Im dritten Jahr in Folge liegt die Wachstumsrate beim Primärenergieverbrauch lediglich bei einem Prozent oder darunter. Diese Werte betragen nur rund die Hälfte der durchschnittlichen Erhöhungen in den letzten 10 Jahren.     

Analog zum Jahr 2015 waren die Wachstumsraten in sämtlichen Regionen – abgesehen von Europa und Eurasien - unterdurchschnittlich. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Energieträgern. Bis auf Öl und Kernenergie fielen die Wachstumsraten bei allen anderen Energieträgern auch unterdurchschnittlich aus.

2. Starke Nachfrage: schnell wachsende Volkswirtschaften dominieren

Der Nachfrageanstieg im Jahr 2016 entfiel fast ausschließlich auf schnell wachsende Volkswirtschaften. China und Indien verzeichneten hier gemeinsam einen Anteil in Höhe von nahezu 50 Prozent des Wachstums. 

Der Energieverbrauch in China erhöhte sich nur um 1,3 Prozent und zeigte sich wiederholt schwach ausgeprägt. Die Werte für 2015 und 2016 stellen dabei den niedrigsten über einen Zeitraum von zwei Jahren errechneten Durchschnittswert seit der Periode 1997-1998 dar.

Schon gewusst?

China blieb im 16. Jahr in Folge das Land mit dem weltweit größten Energiewachstum.

3. Zweierlei Kräfte im Spiel: kurzfristige und zyklische Entwicklungen stehen einem langfristigen Wandel gegenüber

Die Entwicklungen auf den globalen Energiemärkten wurden 2016 durch zwei dominante Einflussfaktoren geprägt. Zum einen war das die Notwendigkeit kurzfristiger  Anpassungen. Das zeigte sich vor allem auf dem Ölmarkt, der über einen längeren Zeitraum mit einem Überangebot zu kämpfen hatte. Zum anderen wirkte gleichzeitig der langfristig stattfindende Wandel der Energielandschaft: die Umstellung auf geringere Wachstumsraten und die Verlagerung der Nachfrage von den angestammten Märkten auf schnell wachsende Volkswirtschaften wie China und Indien. 

Nicht zuletzt werden die Veränderungen an den Energiemärkten auch geprägt durch die zunehmende Nutzung sauberer, emissionsärmerer Energieträger, das starke Wachstum der erneuerbaren Energien und den sinkenden Nutzung von Kohle.

4. Kein Anstieg: Durchbruch in Sachen CO2-Emissionen? Wachstum der CO₂-Emissionen im dritten Jahr unverändert niedrig bei 0,1 Prozent

Der Ausstoß von CO2-Emissionen blieb 2016 nahezu unverändert. Tatsache ist, dass der CO2-Ausstoß im dritten Jahr in Folge entweder auf dem Niveau des Vorjahres verharrte oder sogar gesunken ist – ein durchaus markanter Gegensatz zu den Entwicklungen in der Vergangenheit.
Ein Großteil des verlangsamten Wachstums der Emissionen in der jüngsten Vergangenheit ist auf die fundamentalen Veränderungen nicht nur in China, sondern auch beim Energieverbrauch dieses Landes zurückzuführen. Es bleibt abzuwarten, in welchem Maße diese markante Veränderung von Dauer ist oder ob sich hier vielleicht eher kurzfristige, zyklische Faktoren auswirken. Der Blick auf das detaillierte Zahlenwerk lässt vermuten, dass hier beide Einflussgrößen am Werk sind.

5. Hoch hinaus: erneuerbare Energien legen weiter zu

Die Zusammensetzung des Energiemixes hat sich auch 2016 weiter verändert. Im vergangenen Jahr konnten die erneuerbaren Energieträger weiter zulegen. Der Anstieg um 12 Prozent lag zwar unter dem Zehnjahresmittelwert, stellte jedoch den größten jemals verzeichneten Zuwachs dar. Mehr als die Hälfte des Anstiegs an erneuerbarer Energie entfiel auf den Windsektor, der 16 Prozent zulegte, während der Anteil der Solarenergie fast ein Drittel ausmachte.

6. Im Gleichgewicht: ein Jahr der Anpassungen für den Ölmarkt

Die Ölnachfrage ist im vergangenen Jahr weiter stark gestiegen, auch bedingt durch das niedrige Preisniveau. Die niedrigen Preise wirkten sich dann auch auf der Versorgungsseite aus, sodass die Förderung – insbesondere in den Nicht-OPEC-Ländern – drastisch zurückging. Wir verzeichnen hier den größten Rückgang der Fördermengen außerhalb der OPEC seit ungefähr 25 Jahren.

Die Kombination von starker Ölnachfrage und schwachen Versorgungsmengen ließ den Markt allmählich wieder ins Gleichgewicht kommen, womit der Verbrauch pro Tag und die Förderung pro Tag in der zweiten Jahreshälfte wieder auf einer Höhe lagen. Dadurch bedingt blieben die Lagerbestände allerdings auf Rekordniveau, was die Preise wiederum dämpfte – letztendlich fanden wir uns in einem weiteren Jahr mit schwachen Ölpreisen wider.

Schon gewusst? 

Der Preis für Dated Brent lag im Jahr 2016 bei durchschnittlich 44,73 US-Dollar, nachdem er 2015 noch 52,39 US-Dollar betragen hatte. Das ist der niedrigste Durchschnittspreis seit 2004. 

7. Zwei Protagonisten: US Tight Oil und die OPEC

Der Ölmarkt wurde letztes Jahr ganz eindeutig von zwei Protagonisten bestimmt: US Tight Oil und die OPEC. Wie vielfach erwartet, reagierte die Tight Oil-Branche in den USA auf die Preissignale – die Förderung ging 2015 und 2016 ziemlich stark zurück. In letzter Zeit sind die Fördermengen jedoch wieder gestiegen und haben damit zu einer Dämpfung der Preisvolatilität beigetragen. Dieses Szenario zeigt, wie belastbar der Tight Oil Markt ist. Die Branche reagiert auf  kurzfristige Preissenkungen, erholt sich allerdings, sobald der Markt sich wieder einpendelt.

Die OPEC wiederum, der andere Protagonist in der Ölbranche, nahm Ende des letzten Jahres wesentlichen Einfluss auf die Märkte, indem sie eine Senkung der Fördermengen ankündigt, um die vorhandenen Lagerbestände schneller zu reduzieren.

8. Bereit für den Export: in flüssiger Form

Für den Energieträger Erdgas erwies sich 2016 als ein relativ schwaches Geschäftsjahr, sowohl mit Blick auf die Nachfrageentwicklung wie auch auf die Förderung. Förderrückgänge ergaben sich in erster Linie aufgrund der niedrigen Preise am Gasmarkt.  Das vielleicht wichtigste Merkmal der Entwicklungen beim Erdgas im vergangenen Jahr zeigte sich allerdings in den unverändert wachsenden Exportmengen von Liquefied Natural Gas (LNG), insbesondere aus Australien. 

Es ist davon auszugehen, dass diese Entwicklung die globalen Gasmärkte in den nächsten Jahren entscheidend beeinflussen wird. Das nicht nur in Hinblick auf einen stärker integrierten Gasmarkt, sondern auch einen wesentlich flexibleren. Wachsende Mengen von LNG werden über Verträge mit kürzeren Laufzeiten oder mit kleineren Vertragsmengen oder gar ohne Vertrag gehandelt werden.  
Schon gewusst? 

Der Handel mit Erdgas wuchs 2016 um 4,6 Prozent. Der überwiegende Teil des Nettoanstiegs der LNG-Exporte entfiel auf Australien, das 19 der insgesamt 21 Milliarden Kubikmeter in den Markt verkaufte.

9. Auslaufmodell: das Ende der Kohle?

Sowohl die Nachfrage wie auch die Förderung waren bei Kohle im vergangenen Jahr erneut stark rückläufig. Diese Entwicklung ist in einem gewissen Maße auf die einschneidenden politischen Maßnahmen in China zurückzuführen, mit denen das Land die Überkapazitäten auf seinen einheimischen Märkten zurückfahren will. Diese Maßnahmen sorgten dann für einen Dominoeffekt im Rest der Welt.
Der wichtigste Grund für den Rückgang der Kohle sind jedoch die Bestrebungen in aller Welt, langfristig sauberere, emissionsärmere Energieträger zu nutzen. Dies zeigt sich ganz besonders deutlich am Beispiel Großbritannien, wo sowohl die Förderung wie auch der Verbrauch von Kohle 2016 auf das Niveau der 1800er Jahre zurückgegangen ist, also auf den Stand zu Beginn der Industriellen Revolution.

10. Aha-Effekt: Energieeffizienz und der Stromerzeugungssektor

Die Nachfrage nach Strom in den entwickelten OECD-Ländern zeigte sich in den letzten Jahren im Wesentlichen unverändert, selbst angesichts der Weiterentwicklungen ihrer Volkswirtschaften. Dies dürfte im Wesentlichen auf die auf Verbesserungen der Energieeffizienz zurückzuführen sein, wie z.B. die weitverbreitete Nutzung von LED-Leuchtmitteln. Die Bedeutung des Stromsektors für die weitere Entwicklung der Energiemärkte dürfte weiter hoch bleiben.