Forum China

China: Energiepartner oder Energiekonkurrent?

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Wie kein anderes Land vollzieht China den Wandel zum Industriestaat. Verbunden ist diese Entwicklung mit einem immensen Bedarf an Rohstoffen und Energie. Wie wirkt sich dies auf die Verteilung und Nutzung von Ressourcen weltweit aus? Gibt es mehr Partnerschaften oder mehr Konkurrenz?

Über diese und andere wichtige Fragen diskutierten wir auf unserem zweiten BP Forum mit namhaften Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft. Im Mittelpunkt standen die weitere Entwicklung der wirtschaftlichen und energiepolitischen Beziehungen mit China, das Potenzial zukünftiger Zusammenarbeit und der Umgang mit nationalen Interessen.

Dr. Uwe Franke, Vorsitzender der BP Europa SE, begrüßte die rund 200 Gäste im Berliner Humboldt Carrè und betonte in seiner Begrüßungsrede, dass Chinas Nachfrage nach Öl, Gas und Kohle inzwischen einen maßgeblichen Einfluss auf die globale Marktentwicklung bei diesen Energieträgern hat. Es folgten Key Note-Reden von Dr. Frank-Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, und Prof. Dr. Xuewu Gu, Direktor Center for Global Studies der Universität Bonn. BP wurde in der anschließenden Podiumsdiskussion durch den Präsidenten von BP China, Liming Chen, vertreten, der hierfür extra aus Peking angereist war.

Dr. Frank-Walter Steinmeier führte in seiner Rede auf die Kernfrage der Veranstaltung aus: "Natürlich sind China und Deutschland Konkurrenten auf den Weltenergiemärkten. Beide können ihren Energiebedarf nicht aus eigenen Ressourcen bedienen und sind auf Importe angewiesen." Gleichzeitig wies er aber auch darauf hin, dass beide Länder zur Kooperation verdammt seien. "Die Vorbereitung auf das post-fossile Zeitalter werden wir nur gemeinsam schaffen", so Dr. Frank-Walter Steinmeier. "Wir müssen unsere gemeinsame Verantwortung erkennen, das Potenzial für Kooperation auch wirklich zu schöpfen. Mit Blick auf Prognosen des künftigen Energieverbrauchs ist auch klar geworden, dass in der Konkurrenz um fossile Brennstoffe keine Zukunftssicherung liegt."

Prof. Dr. Xuewu Gu unterstrich in seiner Rede ebenfalls Chinas Energiehunger und zitierte aus dem 'World Energy Outlook 2011' der IEA: "Bis 2035 wird China seine Stellung als weltgrößter Energieverbraucher festigen. Dann wird 70 % mehr Energie durch China konsumiert als in den USA, dem dann zweitgrößten Energieverbraucher." Er ist der Meinung, dass die Antwort, ob China als Energiepartner oder Energiekonkurrent wahrzunehmen ist, auch entscheidend davon anhängt, ob und inwiefern es die etablierten Energiemächte zulassen, dass China in ihre traditionellen Energiemärkte einsteigt. "Bislang ist chinesischen Energiefirmen der Zugang zu amerikanischen, europäischen und japanischen Märkten versperrt worden", so Prof. Dr. Xuewu Gu. "Frustriert und gekränkt kann das Reich der Mitte sich nur in den Peripherien der globalen Zentralenergiemärkte bewegen. Ob dies auf Dauer gut geht, ist fraglich." Abschließend bekräftigte er aber auch den Kooperationszwang: "Wer kooperiert, boomt und gedeiht; wer nicht, dem droht die Gefahr des Verlustes von Wohlstand und des Aussetzens aus dem Spiel. Diese Logik scheint mir die zentrale Botschaft der Zeit an uns alle zu sein."

In einer anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Prof. Dr. Xuewu Gu, Liming Chen (Präsident BP China), Dr. Nicolas Vortmeyer (Siemens Energy) und Frank Sieren (Autor und Handelsblatt-Kolumnist) die unterschiedlichen Standpunkte. Liming Chen wies darauf hin, dass China nur dann Lokomotive für die Weltwirtschaft sein kann, wenn es Zugang zu den dafür notwenigen Rohstoffen erhält. Abschließend nahm die Expertenrunde zu den zahlreichen Anmerkungen und Fragen aus dem Publikum Stellung. Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass am Ausbau der Energiebeziehungen mit China kein Weg vorbei führt.

Moderation:

Klaus Stratmann
Korrespondent Handelsblatt

Podiumsdiskussion:

Prof. Dr. Xuewu Gu
Direktor Center for Global Studies der Universität Bonn

Liming Chen
Präsident BP China

Frank Sieren
Bestseller-Autor und Handelsblatt-Kolumnist

Dr. Nicolas Vortmeyer
Chief Engineer Siemens Energy