Industrie und Lebensqualität: Wovon und wofür wollen wir in Zukunft leben?

29. April 2015

1 / 4
Die Industrie in Nordrhein-Westfalen schafft Arbeitsplätze und sichert und verbessert somit den Wohlstand und die Lebensqualität der Menschen des Landes. Sie liefert die Produkte, häufig in Form von Grundstoffen für wichtige Alltagsgegenstände oder Energieversorgung, ist aber auch Arbeitgeber und Ausbilder. Um auch in Zukunft diese Rolle auszufüllen, muss die Industrie sich aber aktuellen Trends anpassen. Der Weg des Strukturwandels sollte fortgesetzt werden – ohne die Lebensqualität und Lebenskonzepte der Menschen aus dem Blick zu verlieren. Dies ist ein Fazit des BP Forums „Industrie und Lebensqualität“, das heute im NRW-Forum in Düsseldorf stattfand. Die Teilnehmer begrüßte der Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, Thomas Geisel. Er bezeichnete die Stadt wegen der starken Präsenz von Industrieunternehmen und verarbeitendem Gewerbe als idealen Veranstaltungsort.
Der Chef der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, Staatssekretär Franz-Josef Lersch-Mense, Prof. Dr. Gustav A. Horn (Hans-Böckler-Stiftung), Prof. Dr. Reinhard Loske (Universität Witten/Herdecke) und der Vorstandsvorsitzende der BP Europa SE, Michael Schmidt diskutierten in Düsseldorf verschiedene Facetten des Themas. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie sich Wohlstand und Lebensqualität sichern lassen und welche Rolle die Industrie dabei künftig spielt. Es war das erste Mal, dass BP mit seiner politischen Veranstaltungsreihe in Nordrhein-Westfalen zu Gast war.
Staatssekretär Lersch-Mense machte in seinem Vortrag deutlich, dass sich Wohlstand und Standortattraktivität in Nordrhein-Westfalen ohne industrielle Tätigkeit nicht dauerhaft sichern ließen. Industrie und Lebensqualität seien keine Gegensätze, sondern bedingten einander, so der Chef der NRW-Staatskanzlei. Um diese wichtige Rolle auch zu erfüllen, müssten die Unternehmen in NRW ihre Technologieführerschaft behaupten und Chancen konsequent nutzen. Als Beispiel nannte Lersch-Mense die Digitalisierung der Industrie, häufig unter dem Stichwort „Industrie 4.0“ bekannt. Bei dieser Entwicklung wolle sich NRW an die Spitze setzen und weiter Impulsgeber und Treiber der Digitalisierung sein.
Für Schmidt bleiben Industrieunternehmen weiterhin der Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft. Die reine Betrachtung des Anteils an der Bruttowertschöpfung greife hier zu kurz. Hier habe der Dienstleistungssektor in den letzten Jahrzehnten zwar deutlich dazugewonnen, jedoch sei das Wachstum des Dienstleistungssektors nicht losgelöst von dem starken Einfluss der industriellen Nachfrage zu beurteilen. Zur Sicherung der Lebensqualität leisteten Industrieunternehmen einen wesentlichen Beitrag. Schmidt nannte vor allem die Bedeutung der Industrieunternehmen als Arbeitgeber und die tägliche Nutzung ihrer Produkte. 
Die von der Journalistin Dr. Katrin Prüfig moderierte Podiumsdiskussion beleuchtete verschiedene Aspekte der Thematik. „Wir müssen unser Indikatorensystem erweitern, um die Qualität unserer Wirtschaftsleistung messen zu können“, forderte Prof. Horn. Dies bekräftigte Prof. Loske: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lasse beispielsweise Komponenten wie etwa die Lebensqualität und den gesellschaftlichen Zusammenhalt außen vor. Zudem seien viele Bereiche – wie zum Beispiel unser Sozialsystem oder der Staatshaushalt – zu stark vom Wirtschaftswachstum abhängig. Staatssekretär Lersch-Mense bekräftigte, dass Wachstum nicht als alleiniges Ziel genüge, jedoch eine wichtige Voraussetzung für unseren Wohlstand sei.
Einigkeit bestand darin, dass die starke Industrie maßgeblich dazu beigetragen habe, dass Nordrhein-Westfalen und Deutschland besser als andere Länder und Regionen durch die Wirtschaftskrise 2008/2009 gekommen seien. Daher müsse es künftig darum gehen, der Industrie in Nordrhein-Westfalen weiter attraktive Standortbedingungen und Planungssicherheit zu bieten.