BP Energy Outlook 2030: Steigende Bedeutung unkonventioneller Öl- und Gasvorkommen auf Weltenergiemärkte

Datum der Veröffentlichung: 21. Februar 2013

Dies ist eine Übersetzung der englischen Meldung der BP Plc. – rechtlich verbindlich ist allein das englische Original!

Die Meldung im englischen Original finden Sie auf www.bp.com.


Starke Wachstumsraten bei der Produktion aus unkonventionellen Öl- und Gasvorkommen werden sich bis 2030 nicht nur entscheidend auf die Weltenergiemärkte auswirken, sondern auch die Rahmenbedingungen für die wichtigsten Volkswirtschaften neu definieren und Veränderungen in den weltweiten Handelsströmen nach sich ziehen.

Die dritte Ausgabe des BP Energy Outlook beschreibt die zu erwartenden Entwicklungen in der Energiewirtschaft bis 2030. Dies geschieht auf Grundlage aktueller Analysen und unter Berücksichtigung der Entwicklungen im zurückliegenden Jahr. Der diesjährige Bericht untersucht dabei unter anderem die globalen Aspekte und Auswirkungen der durch unkonventionelle Öl- und Gasvorkommen ausgelösten Energie-Revolution, die sich vor allem in dem Wiedererstarken der amerikanischen Energiewirtschaft zeigt.

Gemäß des BP Energy Outlook liegt das erwartete Wachstum der Energienachfrage bis 2030 insgesamt mehr oder weniger unverändert auf Vorjahresniveau. Es ist davon auszugehen, dass die Nachfrage 2030 um 36 % über der im Jahr 2011 liegen wird; die Nachfrageerhöhung wird dabei nahezu vollständig aus den Schwellenländern kommen. Auf der Versorgungsseite sind allerdings einige Änderungen zu erwarten, da die Energieversorgung aus unkonventionellen Energiequellen – Schiefergas und das so genannte Tight Oil zusammen mit Schweröl und Biokraftstoffen – immer mehr an Bedeutung gewinnen wird.

Die steigende Förderung aus unkonventionellen Ölquellen – Tight Oil, Ölsande und Biokraftstoffe - wird den Erwartungen zu Folge bis 2020 vollständig das Nettowachstum der globalen Ölversorgung abdecken, und anschließend bis zum Jahr 2030 immer noch 70 % dieses Wachstums ausmachen. Bis 2030 werden steigende Fördervolumina und eine abflauende Nachfrage dazu führen, dass die USA eine Selbstversorgungsrate in Höhe von 99 % erreichen; 2005 lag der Grad der Selbstversorgung noch bei nur 70 %. Im Gegensatz dazu wird ein unverändert starkes Wirtschaftswachstum dazu führen, dass wichtige Volkswirtschaften in Schwellenländern wie Indien und China zunehmend abhängiger von Energieimporten sein werden. Diese Veränderungen werden umfangreiche Auswirkungen auf die Handelsbilanzen nach sich ziehen.

BP Group Chief Executive Bob Dudley nahm wie folgt Stellung: "Unser Energy Outlook 2030 belegt, in welchem Ausmaß einst vermeintlich gesicherte Erkenntnisse auf den Kopf gestellt worden sind. Die Sorge, dass uns das Öl ausgehen könnte – im Übrigen eine Sorge, die BP nie geteilt hat – scheint immer weniger begründet. Die Abhängigkeit der USA von Energieimporten wird nicht steigen; ganz im Gegenteil, die Energiefrage wird sich positiv auf die US-Konjunktur auswirken. Im Falle von China und Indien steht zu erwarten, dass sie erheblich mehr Energie einführen werden müssen, wenn sie ihr Wirtschaftswachstum fortsetzen wollen."

"Diese Vorhersagen zeigen ein weiteres Mal, dass wir uns in einem sehr vielschichtigen und dynamischen Energiemarkt bewegen. Für die Zukunft stehen Unternehmen viele Möglichkeiten offen, über den Einsatz erstklassiger Technologien und hervorragend ausgebildeter Mitarbeiter viele neue Arbeitsplätze zu schaffen; dies gilt genauso für die Länder, die bereit sind, mit diesen Unternehmen zusammenzuarbeiten."

Obwohl es in der ganzen Welt bedeutende Vorkommen an Schiefergas und Tight Oil gibt, werden diese bis jetzt nur in Nordamerika in einem bedeutenden Ausmaß genutzt. Technologische Weiterentwicklung und hohe Preise bieten auch in anderen Regionen das Potential zur Entwicklung derartiger Vorkommen.

BP Chefvolkswirt Christof Rühl führte dazu aus: "Riesige unkonventionelle Vorkommen sind mittlerweile in den USA erschlossen worden, dabei folgte die Förderung von Öl auf die Förderung von Gas. Zu dieser Entwicklung kam es nicht nur dank der verfügbaren Ressourcen und Technologien, sondern auch durch die 'an der Erdoberfläche' vorhandenen Faktoren, wie z.B. eine stark ausgeprägte und wettbewerbsintensive Dienstleistungsbranche, den Zugang zu Landflächen in Privatbesitz, Investitionsbereitschaft und nicht zuletzt rechtliche Rahmenbedingungen."

"Außer den USA und Kanada hat es bis jetzt kein anderes Land vermocht, diese Faktoren miteinander zu kombinieren, um so die Förderung von Öl und Gas zu erhöhen. Auch wenn wir davon ausgehen, dass andere Regionen mit der Zeit diesem Beispiel folgen und ihre vorhandenen Ressourcen entsprechend entwickeln werden, so erwarten wir dennoch, dass Nordamerika bis 2030 immer noch führend bei der Förderung aus diesen Vorkommen sein wird."

Zusammenfassung des BP Energy Outlook 2030

Primärenergie

Nach dem Energy Outlook wird die weltweite Energienachfrage bis 2030 durchschnittlich um 1,6 % pro Jahr steigen. Dabei wird die Steigerungsrate in der zweiten Hälfte dieses Zeitraumes ein wenig sinken; bis 2020 wird sie zunächst bei durchschnittlich 2 % pro Jahr liegen und anschließend auf jährlich 1,3 % zurückgehen. Dieses Wachstum wird zu 93 % aus Nicht-OECD-Ländern kommen und zu mehr als der Hälfte auf China und Indien entfallen. 2030 wird der Energieverbrauch in den Nicht-OECD-Ländern wahrscheinlich um 61 % über dem Vergleichswert aus dem Jahr 2011 liegen, während der Verbrauch in den OECD-Staaten bis dahin nur um 6 % steigen wird; der pro-Kopf-Verbrauch wird hier de facto sinken.

Auch wenn sich die Zusammensetzung des Energieträgermix allmählich ändern wird, werden die fossilen Brennstoffe dennoch weiterhin eine dominante Rolle spielen. Öl, Gas und Kohle werden bis 2030 jeweils einen Marktanteil von 26 bis 28 % erreichen, während die nicht-fossilen Energieträger – Atomstrom, Wasserkraft und Erneuerbare Energien – jeweils 6 bis 7 % ausmachen werden.

Öl

Das Öl wird unter den wichtigsten Energieträgern bis 2030 die niedrigste Steigerungsrate verzeichnen und durchschnittlich nur eine Erhöhung der Nachfrage von 0,8 % pro Jahr ausweisen. Nichtsdestotrotz bedeutet dies, dass die Nachfrage nach Öl und anderen flüssigen Energieträgern 2030 um 16 Millionen Barrel pro Tag über dem Vergleichswert aus dem Jahr 2011 liegen wird. Die Erhöhung der Nettonachfrage wird ausschließlich auf die Nicht-OECD-Länder entfallen und fast vollständig aus China, Indien und dem Mittleren Osten kommen.

Die Erhöhung der Versorgung mit Öl und anderen flüssigen Energieträgern (einschließlich Biokraftstoffen) wird bis 2030 im Wesentlichen durch Amerika und den Mittleren Osten abgedeckt. Mehr als die Hälfte der Steigerungsrate wird aus Nicht-OECD-Staaten stammen und die steigende Förderung von Tight Oil in den USA, Ölsanden in Kanada, Öl aus der Tiefsee vor Brasilien und brasilianischen Biokraftstoffen werden die zurückgehende Förderung aus älteren Feldern andernorts mehr als kompensieren. Dank der vermehrten Förderung neuer Tight Oil-Vorkommen werden die USA im Jahr 2013 Saudi Arabien als die Nation mit der weltweit größten Förderung von flüssigen Energieträgern ablösen. Die Ölimporte der USA werden zwischen 2011 und 2030 wahrscheinlich um 70 % zurückgehen.

Es wird erwartet, dass der OPEC-Anteil am Ölmarkt zu Beginn des Betrachtungszeitraums sinkt; diese Entwicklung spiegelt die Erhöhung der Ölförderung in Nicht-OPEC-Staaten und den Nachfragerückgang aufgrund hoher Preise und zunehmend effizienter werdender Technologien für die Transportbranche wider. Der Marktanteil der OPEC wird sich ab 2020 wahrscheinlich wieder ein wenig erhöhen.

Christof Rühl kommentierte dies wie folgt: "Da die OPEC ihre Förderung in den nächsten zehn Jahren zurückfahren wird, erwarten wir, dass sich der Anteil an ungenutzten Förderkapazitäten ab 2015 auf den höchsten Stand seit den 1980er Jahren einpendeln wird. Auch wenn diese Entwicklung einen der größten Unsicherheitsfaktoren im Ölmarkt in den nächsten zehn Jahren darstellen wird, so glauben wir dennoch, dass die OPEC-Mitglieder in der Lage sein werden, der Herausforderung einer strikten Förderdisziplin auch angesichts umfangreicher ungenutzter Produktionskapazitäten begegnen zu können."

Gas

Erdgas wird wahrscheinlich der am stärksten wachsende fossile Energieträger sein – die Nachfrage wird jährlich durchschnittlich um 2 % steigen. 76 % der Nachfragesteigerung werden auf Nicht-OECD-Staaten entfallen. Der größte Teil der Nachfragesteigerung wird bei der Verstromung und bei industriellen Verbrauchern zum Einsatz kommen. Es wird erwartet, dass die Förderung von LNG mehr als doppelt so schnell wie der Gasverbrauch steigt, im Schnitt um jährlich 4,3 %; damit wird LNG bis 2030 27 % Wachstums auf der Versorgungsseite im Gassektor abdecken.

Schiefergas wird bis 2030 37 % der Steigerung bei der Nachfrage nach Gas ausmachen und damit einen Anteil von 16 % an der weltweiten Gasförderung und 53 % der US-Produktion innehaben. Die Steigerungsrate der nordamerikanischen Schiefergasförderung wird sich ab 2020 wahrscheinlich verlangsamen, wohingegen die Förderung in anderen Regionen zunehmen wird; dennoch wird Nordamerika im Jahr 2030 einen Anteil von 73 % an der weltweiten Schiefergasförderung besitzen.

Kohle

Nach Öl wird Kohle der fossile Energieträger mit der zweitniedrigsten Steigerungsrate sein, da die Nachfrage bis 2030 wohl nur um 1,2 % pro Jahr steigen wird. Im Laufe dieses Zeitraums wird die Steigerungsrate ab 2020 auf jährlich nur noch 0,5 % absinken. Dabei entfällt fast das gesamte (93 %) Nettowachstum bei der Nachfrage bis 2030 auf China und Indien, deren gemeinsamer Anteil am globalen Kohleverbrauch in Höhe von 57 % im Jahr 2011 auf 65 % im Jahr 2030 steigen wird. Es ist davon auszugehen, dass Indien im Jahr 2024 die USA als weltweit zweitgrößten Kohleverbraucher ablösen wird.

Sonstige

Trotz des Unglücks in Fukushima wird die Stromleistung der Kernraftwerke weltweit stabil um 2,6 % pro Jahr steigen – verglichen mit einer durchschnittlichen Steigerungsrate in Höhe von 1,6 % zwischen 1990 und 2010. China, Indien und Russland werden 88 % des globalen Wachstums im Bereich Atomstrom unter sich aufteilen. Es wird erwartet, dass China seinen Anteil an der weltweiten Erzeugung von Nuklearstrom von 3 % im Jahre 2011 bis auf 30 % im Jahr 2030 ausbauen und damit die USA als weltgrößten Produzent von Atomstrom im Jahr 2026 ablösen wird.

Die Wachstumsrate bei der Stromerzeugung aus Wasserkraft wird bis 2030 wahrscheinlich bis auf einen Wert von jährlich 2,0 % zurückgehen; dabei werden China, Indien und Brasilien die höchsten Steigerungsraten verzeichnen. Beachtenswert ist hier, dass in Brasilien im Jahr 2030 72 % des Strombedarfs über Wasserkraft abgedeckt werden – dies entspricht einem Anteil von 32 % am Gesamtenergiebedarf dieses Landes.

Erneuerbare Energien werden unverändert die am schnellsten wachsende Energieart bleiben; ausgehend von einem kleinen Marktanteil wird sich das Wachstum hier bis zum Jahr 2030 in Höhe von jährlich 7,6 % bewegen. Der Anteil der Erneuerbaren Energien an der weltweiten Stromerzeugung wird sich bis 2030 wahrscheinlich von 4 % auf 11 % erhöht haben. Während bisher die OECD-Länder die treibende Kraft hinter dem Ausbau der Erneuerbaren Energien gewesen sind, so sind es jetzt die Nicht-OECD-Länder, die ihrerseits diese Energieträger fördern und bis 2030 einen Anteil von insgesamt 41 % an der Gesamtmenge besitzen werden. Biokraftstoffe mit eingerechnet, steht zu erwarten, dass die Erneuerbaren Energien bis 2030 einen höheren Anteil an der Primärenergie besitzen als die Atomindustrie.

CO2

Auch wenn die Steigerungsraten hier gemäßigter ausfallen als in der Vergangenheit, so ist dennoch zu erwarten, dass der CO2-Ausstoß zwischen 2011 und 2030 um 26 % steigen wird. Diese Steigerung wird im Wesentlichen in den Nicht-OECD-Ländern zu verzeichnen sein, womit im Jahr 2030 70 % der CO2-Emissionen außerhalb der OECD ausgestoßen werden. Die pro-Kopf-Emission in Nicht-OECD-Staaten wird allerdings immer noch weniger als die Hälfte der pro-Kopf-Emission in den OECD-Ländern betragen.

Anmerkung für Redaktionen

Der BP Energy Outlook 2030 ist online abrufbar unter www.bp.com/Energyoutlook.