Öl- und Gasindustrie im digitalen Wandel

Digitalisierung und die Möglichkeit zur Verarbeitung großer Datenmengen hat die Arbeit in der Öl- und Gasindustrie in den letzten Jahren stark verändert.

Was früher die Einführung neuer Generationen von Bohrinseln war, übernehmen nun die Digitaltechnik und die immer höhere werdenden Kapazitäten bei der Datenaufzeichnung. Aber es geht nicht nur darum, möglichst viele Daten zu sammeln. Diese müssen auch entsprechend sinnvoll zusammengefasst und analysiert werden, damit sie einen Nutzen bringen.

Das digitale Ölfeld

Die technischen Abläufe an den Produktionsstätten und auf den Plattformen bei BP sind mittlerweile fast vollständig digitalisiert. Das sogenannte digitale Ölfeld hat vor allem in den letzten zehn Jahren einen enorme Entwicklung durchgemacht. Darunter versteht BP im Wesentlichen, dass durch den Einbau von Sensoren in Bohrlöcher, in die unter Wasser vorhandene Infrastruktur und in die Anlagen an der Wasseroberfläche eine fast lückenlose Überwachung in Echtzeit möglich ist.

BP hat beispielsweise durch die Einführung von Bohrtechniken mit Echtzeitüberwachung signifikante Leistungsverbesserungen erzielt. Dazu zählen u.a. die Techniken des BP Well Advisor-Programms, das bei Bohrungen jederzeit genauestens über jeden Arbeitsfortschritt informiert. Es ist davon auszugehen, dass der Einsatz von Digitaltechnik langfristig entscheidend dazu beitragen wird, die Förderkosten pro Barrel zu senken und ebenso die Förderausbeute zu erhöhen. Gleichzeitig helfen die digitalen Technologien dabei, unsere Arbeitsabläufe sicherer zu machen. 

Datenerfassung und -aufzeichnung

Bei der Aufzeichnung neuer Daten haben BP und die gesamte Industrie enorme Fortschritte erzielt. Allerdings ist das Aufzeichnen und Übermitteln von riesigen Datenmengen nur der erste Schritt. Sie müssen anschließend noch visuell aufbereitet und ausgewertet werden. 

Die seismische Datenaufzeichnung und Abbildungstechnik ist bereits ein Schritt in diese Richtung. Viele Erkenntnisse, die es heute über mögliche Vorkommen aber auch vorhandene Lagerstätten gibt, wären vor 10 Jahren noch absolut undenkbar gewesen. 

Neuartige seismische Methoden, wie z.B. die von BP unter dem Namen Independent Simultaneous Sources (ISS®) eingeführte Technologie, generieren enorm große Datenmengen. Diese verarbeitet BP in Houston in ihrem Rechenzentrum (Center for High Performance Computing). Die Auswertung erfolgt auf Basis von Algorithmen, die Geophysiker und Mathematiker der BP entwickelt haben. Damit können diejenigen Informationen bildlich darstellgestellt werden, die für uns bei der Bewertung möglicher Vorkommen und beim Management unserer Lagerstätten nützlich sind. Link: Supercomputer liefert bessere Modelle von Gesteinsformationen

Gründung des Digital Center of Expertise

Um die enormen Potenziale der Digitalisierung auch auf andere Bereiche unseres Geschäftes auszuweiten, hat BP das Digital Center of Expertise gegründet. Mit dieser Forschungseinrichtung will BP Erfahrungen und Fachwissen in der Digitaltechnik aus allen Unternehmensbereichen zusammenführen.
Dabei greift BP auch auf Kenntnisse außerhalb der eigenen Branche zurück. Wurden vor 10 Jahren noch jeder einzelne Entwicklungsschritt selbst ausgeführt – sogar die Programmierung der erforderlichen Software – greift das Unternehmen zunehmend auf die Unterstützung von Spezialfirmen zurück. Ein Beispiel ist hier die Visualisierung der oben beschriebenen Datenmengen.

Zusammenarbeit mit Analytik-Experten

Gleiches gilt für das Fachgebiet Analytik. Einige der besten Experten in der Datenanalytik arbeiten eher in anderen Branchen als dem Energiesektor, unter anderem im Bereich der Social Media, im Online-Marketing oder im Bereich Innere Sicherheit. Doch der Energiesektor wird zunehmend auch für diese Experten interessant. Bei der Erweiterung des Rechenzentrums arbeitete BP zum Beispiel eng mit führenden IT Unternehmen zusammen.

Die Energiebranche und die Öl- und Gasindustrie hat erkannt, dass „Big Data“ große Möglichkeiten bietet und die ohnehin hohe Bedeutung von Digitaltechnologien noch weiter steigen wird.