Das schwarze Gold und sein Weg in die Raffinerie

Die Ruhr Oel Raffinerie in Gelsenkirchen besteht aus zwei Standorten in Horst und Scholven. Zusammen verarbeiten beide Werke etwa zwölf Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr und zählen damit zu den größten Raffinerien in Deutschland. In der BP Raffinerie in Lingen liegt die Verarbeitungskapazität bei fast fünf Millionen Tonnen jährlich. Der Großteil des Rohöls fließt per Pipelines in die Raffinerien.

Eine der zentralen Versorgungsadern für Lingen und Gelsenkirchen ist die NWO-Pipeline, benannt nach der Betreibergesellschaft, der Nord-West Oelleitung GmbH in Wilhelmshaven. Knapp 3,8 Millionen Tonnen Rohöl erhält die BP Lingen jedes Jahr über diese Pipeline. Ins Gelsenkirchener Werk Scholven fließen über die NWO-Pipeline bis zu 7,5 Millionen Tonnen pro Jahr. 

In die Pipeline hinein gelangt das Rohöl in Wilhelmshaven. Die Löschbrücke im Hafen, an der Tanker aus der ganzen Welt anlegen, erstreckt sich über 1,2 Kilometer. Um das Rohöl aus den Tankern zu bekommen, stehen drei Löschköpfe zur Verfügung. Schiffseigene Pumpen drücken das Öl in die 35 Tanks der NWO mit einem Fassungsvermögen von 1,6 Millionen Kubikmetern. Von hier aus wird das Rohöl in die fast 400 Kilometer lange Pipeline gepumpt.

Den Weg bis zu den Raffinerien legt das Rohöl fast ausschließlich unterirdisch zurück. Die Pipeline erblickt nur an sogenannten Pump- oder Abzweigleitungen auf wenigen Metern das Tageslicht.

Für die Sicherheit der Pipeline sorgt ein elektronisches Überwachungssystem. Bei Störungen ertönt ein Alarm in der rund um die Uhr besetzten Fernsteuerzentrale in Wilhelmshaven. Dort können Mitarbeiter geeignete Maßnahmen ergreifen und z. B. den betroffenen Leitungsabschnitt an den Abzweigstationen sofort verriegeln, um etwaige Ölaustritte  zu verhindern. Eine Isolierung und ein kathodischer Korrosionsschutz schützen die Rohre vor Korrosion. Regelmäßig wird die Pipeline auch mit sogenannten intelligenten Molchen inspiziert.

Da eine Raffinerie nur eine bestimmte Menge Rohöl verarbeiten kann, muss die Produktion genau geplant werden. So erhält die NWO exakte Angaben, wie viel Rohöl welcher Sorte wann und wo benötigt wird. Dabei ist wichtig zu wissen: Es gibt viele unterschiedliche Rohölsorten und nicht jede Raffinerie kann alle Sorten verarbeiten. Deshalb definiert jeder Standort vorher eine individuelle Mischung. So ist sichergestellt, dass die Anlagen optimal arbeiten können. Aufgrund der großen Mengen erstreckt sich eine Rohöllieferung über mehrere Stunden.

Sobald das  Rohöl in der Raffinerie ankommt wird es in große Tanke gefüllt und gelangt von dort aus in die Produktionsanlagen, wo es weiterverarbeitet wird.