Angela Kunzmann aus dem Bitumen-Labor

„Der sichtbare Erfolg und der Fortschritt motivieren mich“

Bitumen ist das älteste bekannte Mineralölprodukt. In der Natur tritt es historisch als ,Naturasphalt‘ auf, eine aus Rohöl entstandene natürliche Substanz, die sich in langen geologischen Zeiträumen gebildet hat. Heutzutage wird Bitumen durch Destillation* von Rohöl in der Raffinerie ganz gezielt hergestellt. Angela Kunzmann arbeitet im Bitumen-Labor der BP Europa SE, mit Sitz in der Ruhr Oel Raffinerie Gelsenkirchen.

Das Labor in Gelsenkirchen ist das Zentrallabor von BP für den Bereich Bitumen. Angela Kunzmann und ihre rund zwanzig Kollegen beantworten Fragen aus der ganzen Welt. „Wir haben Kunden in Deutschland, Frankreich, Österreich, Benelux, Polen, der Schweiz, Australien, Südafrika und den USA, die sich mit Produktanfragen und Wünschen an uns wenden.“ 
Wie lange dann die eigentliche Entwicklung des neuen Produktes dauert, hängt davon ab, wie komplex die Produktanforderungen sind. Die Entwicklung beginnt oft mit einem bestimmten Grundbitumen als Basis. Zu diesem Grundbitumen fügen wir Kunststoffe und Additive hinzu und testen verschiedene Rezepturen, um letztlich die Zielvorgaben zu erfüllen. „Die gesamte Entwicklungsphase kann bis zu zwei Jahre dauern. Das hängt davon ab, ob wir ein völlig neues Produkt entwickeln oder ein vorhandenes Produkt mit Erfahrung optimieren“, berichtet Angela Kunzmann.

Für jede Straße der richtige Belag

Die Chemietechnikerin ist im Labor Spezialistin für polymermodifizierte Bitumen und deren Formulierung. „Polymermodifiziertes Bitumen ist ein Produkt, das mit bestimmten Kunststoffen und Additiven versetzt wird, um dadurch die Performance zu verbessern. Dieses Bitumen wird für Straßen verwendet, die hohen Belastungen ausgesetzt sind, also beispielsweise Autobahnen.“

Gerade in anderen Ländern kommen noch zur hohen Verkehrsbelastung extreme klimatische Bedingungen hinzu. Auch dafür entwickelt Angela Kunzmann mit ihren Kollegen das optimale Produkt. „Auf einer Straße, die durch eine Wüstenregion führt, muss Bitumen am Tage sehr hohen Temperaturen standhalten, nachts aber wiederum bei sehr tiefen Temperaturen bestehen. Meine Kollegen modifizieren Bitumen mit Additiven, um das Produkt langlebiger und belastbarer zu machen sowie dem Einsatzbereich anzupassen.“

Grundsätzlich ist Bitumen von sich aus schon ein sehr langlebiges Produkt. Normalerweise hält es als Straßenbaubitumen zehn bis 15 Jahre und ist recycelbar. Ist es ein weiches Bitumen, eignet es sich besonders in Regionen mit sehr tiefen Temperaturen. Eine härtere Bitumensorte würde hier schneller spröde werden, was Autofahrer dann zum Beispiel an Rissen in der Fahrbahndecke erkennen können. „Unser polymermodifiziertes Bitumen ist optimiert. Es ist elastischer als normales Bitumen und hat einen größeren Einsatzbereich“, erklärt Angela Kunzmann.

Besonders stolz ist Angela Kunzmann darauf, dass sie zusammen mit ihren Kollegen ein neues polymermodifiziertes Bitumen für Österreich und die Schweiz entwickelt hat. Es trägt den Namen ‚Olexobit 45/80-65‘ und erfüllt gleichzeitig die im österreichischen und schweizerischen Markt vorherrschenden Spezifikationen. Die Anpassung der Rezeptur für diesen Markt ist notwendig
geworden, weil die europäische Norm in jedem Land in etwas abgeänderter Form als nationale Norm eingeführt wurde. „Mit diesem neuen Produkt werden wir den neuen Anforderungen gerecht“, freut sich die Forscherin. Der Name Olexobit 45/80-65 steht übrigens für ein polymermodifiziertes Bitumen, das einen bestimmten Penetrationsbereich (von 45 bis 80 in 1/10 mm) aufweist und einen Mindesterweichungspunkt von 65 Grad Celsius hat. Die Penetration ist ein Verfahren zur Bestimmung der Konsistenz von Bitumen mittels der Eindringtiefe. Diese und der Erweichungspunkt von Bitumen sind die wichtigsten Merkmale, mit denen eine Bitumensorte charakterisiert wird.

... und noch mehr

Bitumen ist aber nicht nur für die Straße geeignet, sondern wird auch in zahllosen anderen Bereichen wie Hochbau, Wasserbau oder Industrie verwendet. Einsatzbeispiele sind Bitumenbahnen zur Abdichtung von Dächern, als Dichtungsmaterial am Sockel von Häusern oder zur Dämmung und Lärmminderung in der Automobilindustrie. Apropos: Bitumen ist im Asphalt zu ungefähr fünf Gewichtsprozent enthalten, je nach Asphaltsorte.