Interview mit den drei Leitern der Forschungsstandorte

Was sind die Trends der Zukunft im Bereich Forschung und Entwicklung? Welche Rolle spielt das Thema Umwelt und Bioprodukte? Und wie wichtig ist Qualität, gerade im Bereich der Forschung? Wir sprachen mit den drei Leitern der BP Forschungsstandorte in Bochum, Hamburg und Mönchengladbach.

Sie leiten die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten an verschiedenen Standorten. Sie arbeiten international und sind viel unterwegs. Wie schaffen Sie es dennoch, sich regelmäßig auszutauschen?

Dr. Peter Kraneburg: Wir gehören ja alle zum internationalen BP Netzwerk ‚Formulated Product Technology‘. Der Name besagt, dass wir alle mit formulierten Produkten zu tun haben, egal ob es sich um Kraftstoffe oder Schmierstoffe handelt. Über dieses Netzwerk haben wir dann regelmäßig Kontakt.
James Gladding: Es gibt zwischen uns durchaus einige Gemeinsamkeiten, über die wir dann bei solchen Gelegenheiten sprechen. Mikrobiologie ist beispielsweise so ein Thema, weil Biokraftstoffe auch mikrobiell kontaminiert sein können. Da tauschen wir uns dann aus und können den Kollegen in Bochum wertvolle Tipps geben, diesen Befall einzudämmen. Oder auch umgekehrt. Wir lernen voneinander.

Da sind wir doch schon beim Thema: Biokraftstoffe. Herr Sauermann, was tut sich in dem Bereich? Was können wir in den nächsten Jahren auf diesem Sektor erwarten?

Dr. Peter Sauermann: Die Entwicklung bei Biokraftstoffen ist nicht leicht vorhersehbar, da es eine ganze Reihe verschiedener Einflüsse gibt. Wir können heute Benzin bis zu zehn Prozent Ethanol beimischen, technisch kein Problem. Bei Diesel sind es bis zu sieben Prozent. Diese Grenzwerte werden wir aber so schnell nicht überschreiten. Ich gehe sogar weiter und sage: Weltweit wird der Bioanteil im Diesel in den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren nicht mehr als fünf Prozent betragen. Das liegt einfach an den natürlichen Grenzen, also an der Verfügbarkeit von geeigneten Biokomponenten. Wenn wir aber nur von den technischen Möglichkeiten ausgehen, ist heutzutage sogar eine Beimischung von dreißig Prozent möglich. Damit haben wir bei uns in der Forschung in Bochum schon Erfahrungen. Es gibt hochwertige Biokomponenten, die durch eine Aufbereitung im Labor fast nicht mehr von einem normalen Dieselkraftstoff zu unterscheiden sind. Global gesehen sind diese dreißig Prozent Beimischung natürlich wegen der begrenzten Ressourcen nicht überall möglich und sinnvoll.

Gladding: Im Bereich der Schmierstoffe erleben wir gerade einen Wandel. Der Druck erhöht sich, effizientere und CO2-ärmere Produkte herzustellen. Wir müssen Produkte entwickeln, die biologisch abbaubar und möglichst frei von Schadstoffen sind – derzeit arbeiten wir zum Beispiel an so einer Produktentwicklung für den Marinebereich. Unsere neueste Produktpalette für die Metallverarbeitung kommt ohne Bor und Biozide aus. Das alles ist wichtig für unsere Arbeit und spielt eine immer größere Rolle. Nicht nur um Gesetze einzuhalten, sondern auch um unseren Kunden die besten Produkte anbieten zu können.

Kraneburg: Das Thema Bio und Umwelt spielt bei uns derzeit noch keine so große Rolle. Die Automobilhersteller haben natürlich den Druck vom Gesetzgeber und von den Käufern, den Verbrauch zu reduzieren. Wir können mit unseren Produkten dazu beitragen, den Spritverbrauch zu senken, indem wir die Viskosität, also die Zähflüssigkeit, verändern. Das Öl wird dann dünner, aber gleichzeitig auch der Schmierfilm. Dann verringern sich die hydrodynamischen Verluste und das Auto braucht weniger Sprit. Wir sprechen daher sehr früh mit dem Kunden. Denn eine solche Entscheidung bedeutet möglicherweise, dass die Konstruktion des Getriebes wegen des dann dünneren Schmierfilms geändert werden muss.

Das hört sich aufwendig an.

Kraneburg: Nun ja, wir entwickeln und erproben einen neuen Getriebeschmierstoff mindestens fünf Jahre. Da ist es völlig normal, dass sich Pläne auch einmal ändern. Allerdings entwickelt sich durch die langjährige Zusammenarbeit auch ein sehr gutes Verhältnis zwischen uns und dem Kunden. Wir benötigen so viele Informationen wie möglich, um das Beste für den Kunden herauszuholen. Umgekehrt beraten wir den Kunden und erklären ihm, welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Wir haben das notwendige technische Verständnis, wie so ein Getriebe oder eine Achse funktioniert. Im Grunde ist es ein Geben und Nehmen.

Sauermann: Das ist bei uns im Bereich Kraftstoffe nicht anders. Wir können den Tankkunden nur dann das bestmögliche Produkt anbieten, wenn wir uns mit dem Produkt genauestens auskennen. Wir kümmern uns um Mobilität und sind ein Garant für Mobilität. Daher sehen wir uns auch als Berater unserer Kunden in Sachen Mobilität. Wir beschäftigen uns mit Technologien und Prozessen, die derzeit noch nicht in der breiten Masse verfügbar sind. Schon heute bieten wir Erdgas oder Autogas an vielen Aral Tankstellen an, beides Alternativen zu den herkömmlichen Kraftstoffen. Und natürlich beschäftigen wir uns auch mit Elektromobilität. Wobei wir glauben, dass Hybridfahrzeuge über das ausgereiftere Konzept verfügen. Gerade als Zweitwagen für den Stadtverkehr ist ein Hybridfahrzeug die beste Lösung. Bei Kurzstrecken werden Autofahrer dann fast völlig vergessen, dass sich in ihrem Fahrzeug noch ein Benzin- oder Dieselmotor beendet. Aber das stellt dann natürlich auch Herausforderungen an uns. Wir müssen unsere Kraftstoffe hinsichtlich der Lebensdauer anpassen. Denn dann tankt ein Kunde nicht drei- oder viermal im Monat, sondern vielleicht nur noch einmal in sechs Monaten.

Gladding: Die Lebensdauer eines Schmierstoffs ist auch bei uns ein großes Thema. Um einen Hochleistungsschmierstoff wie beispielsweise unser Optigear Synthetic X für Windkraftanlagen zu entwickeln und entsprechend zu testen, benötigen wir viel Zeit. Unsere Kunden betreiben hochkomplexe und teure Anlagen. Ein Defekt oder ein notwendiger Austausch an diesen Anlagen ist für sie sehr kostspielig. Wir müssen also Produkte liefern, die den Betrieb der Anlage sicherstellen und nur minimale Wartungsarbeiten erfordern – und zwar nach Möglichkeit für die gesamte Lebenszeit der Anlage. Diesen Anspruch haben wir für all unsere Produkte. Wir investieren Zeit in die Leistungsfähigkeit unserer Schmierstoffe, damit der Kunde es nicht tun muss, sondern sich um seine Arbeit kümmern kann.

Wie wichtig sind denn die Themen Qualität und Innovation? Gucken viele Kunden nicht eher auf den Preis?

Gladding: Eine hohe Qualität ist das Fundament unseres Unternehmens und unserer Marken. Es ist unsere Verantwortung, qualitativ hochwertige Produkte zu liefern. Wir sind Pioniere und haben das Ziel, immer mit dem besten Produkt auf dem Markt zu sein. Daher müssen wir innovativ sein und die beste Qualität liefern, um unser Ziel zu erreichen.

Kraneburg: Dem kann ich nur zustimmen. Wir sind kein Massenproduzent, das ist nicht unser Innovationsanspruch. Wir wollen eben immer die führende Technologie liefern. Unsere Kunden erwarten eine hochwertige Qualität – sprich Konstanz und Verlässlichkeit bei Produkt und Lieferservice.

Sauermann: Völlig richtig. Das gilt auch für unseren Bereich. Tankkunden möchten einen qualitativ hochwertigen Kraftstoff bekommen. Um dies sicherzustellen, haben wir ein umfassendes Qualitätssicherungssystem in Europa eingeführt. Damit sorgen wir dafür, dass unsere Kraftstoffe sowohl den gesetzlichen als auch den darüber hinausgehenden internen Anforderungen entsprechen.

Und in die Zukunft geschaut: Gibt es bald den Kraftstoff oder den Schmierstoff, der ohne fossile Energien auskommt?

Sauermann: Mir eine Zukunft ohne fossile Kraftstoffe vorzustellen, fällt mir schwer. Im Pkw-Bereich wäre es vielleicht später einmal möglich, da gibt es heute schon Alternativen. Ein Elektroantrieb macht heute noch keinen Sinn, da die CO2-Emissionen aufgrund der Primärenergieproduktion nicht besser sind als beim Otto- oder Dieselmotor. Im Transportsektor sind die Anforderungen noch weit höher. Ein Lkw mit Elektroantrieb ist aus heutiger Sicht nicht denkbar. In den nächsten zwanzig oder dreißig Jahren werden wir auf fossile Kraftstoffe sicher nicht verzichten können. Weltweit gesehen werden sie auch 2030 noch einen Marktanteil von achtzig bis neunzig Prozent haben.

Gladding: Das sehe ich für unseren Bereich Industrieschmierstoffe ähnlich. Aber wie schon gesagt, der Trend geht auch bei uns auf jeden Fall hin zu umweltfreundlicheren und CO2-ärmeren Produkten. Wir eignen uns viel Expertise auf diesem Gebiet an. Es gibt jedoch noch viel zu tun und wird sicherlich auch noch einige Zeit dauern, bis derartige Produkte im großen Stil verwendet werden.

Kraneburg: Diese Prognose gilt auch für unsere Produkte im Automobilbereich. Wir brauchen auch weiterhin fossile Energien als Rohstoff für unsere Produkte. Allerdings sorgen wir durch eine immer nachhaltigere Produktion dafür, dass möglichst wenig Rohöl verbraucht wird. Unsere Schmierstoffe sind teilweise zehn Jahre oder länger im Einsatz. Und wenn tatsächlich einmal ein Ölwechsel ansteht, können unsere Produkte komplett recycelt werden. Daraus fertigen wir dann wieder neue Produkte.

Vielen Dank für das Gespräch!