Kfz-Techniker Frank Hemecker

„Der beste Job, den ich mir vorstellen kann“

Wenn Autofahrer sich nach einem neuen Fahrzeug umschauen, interessieren sie sich vor allem für die Leistung und den Verbrauch. Der ein oder andere fragt eventuell auch noch nach den Abgaswerten. Diese Werte reichen Ulf Kulinna und Frank Hemecker bei weitem nicht aus, denn sie interessieren sich für viel mehr.

Beide sind Teil eines Teams, das an den Prüfständen in der BP/Aral Kraftstoff-Forschung Motoren der unterschiedlichsten Fahrzeugtypen auf Herz und Nieren prüft. „Wir sind die Schnittstelle zwischen unseren Produktentwicklern, dem Labor und den Prüfständen hier vor Ort in Bochum“, erklärt Ulf Kulinna. Der Diplom-Ingenieur entwickelt zusammen mit seinen Teamkollegen sämtliche Projektpläne für die insgesamt 19 Prüfstände am Standort Bochum.
Neben der logistischen Herausforderung, möglichst alle Projekte zeitlich optimal auf alle Prüfstände zu verteilen, geht es bei der Planung auch darum, die Testanforderungen zielführend umzusetzen. „Deswegen ist es wichtig, dass wir die Projektpläne vorher gemeinsam durchsprechen“, ergänzt Frank Hemecker. Der staatlich geprüfte Kfz-Techniker ist einer der Mitarbeiter, die sich um die praktische Umsetzung der vorgegebenen Projekte kümmern. „Wir bekommen hier riesige Datenmengen. Bei einigen Testreihen rattern hier hunderte Werte pro Sekunde durch unsere Messgeräte. Und so ein Emissionstest läuft dann zwanzig Minuten“, erklärt Frank Hemecker.

Testen für die ganze Welt

„Obwohl die Fahrzeuge sehr wichtig für die einzelnen Tests sind, richtet sich unser Fokus auf die eingesetzten Grundkraftstoffe und die Wirksamkeit unserer Additive.“ Abhängig von der Projektanforderung wird der zu testende Kraftstoff an den Prüfständen in verschiedenen Fahrzeugen nach bestimmten Vorgaben geprüft. Welche Motoren oder Fahrzeuge das sind, hängt davon ab, für welche Region oder welchen Markt getestet werden soll. Da BP in Bochum Kraftstoffe für Märkte auf der ganzen Welt testet, achten die Experten darauf, dass ein Kraftstoff beispielsweise aus Australien eben auch nur in Fahrzeugen mit der dort üblichen Motorentechnologie getestet wird. „Bei so einem Test von Kraftstoffkomponenten wollen wir dann unter anderem wissen, ob sie den Motor weitestgehend frei von Ablagerungen halten. Oder ob unsere Additive einen durch Ablagerungen verschmutzten Motor wieder sauber machen“, ergänzt Ulf Kulinna. Bei den Ablagerungen handelt es sich hauptsächlich um Verkokungen, die durch die Verbrennung von Kraftstoff üblicherweise im Brennraum eines Motors und an den kraftstoffführenden Komponenten entstehen.

EU-weit und international gibt es genaue gesetzliche Vorgaben, wie so ein Fahrzeugtest auf einem Prüfstand abzulaufen hat, zum Beispiel welche Fahrprofile auf den Prüfständen gefahren werden müssen. Der Fahrer sieht im Auto, wie schnell und in welchem Gang er fahren muss, und hält sich strikt daran. „Der Toleranzbereich für Abweichungen ist hier sehr gering“, erklärt Frank Hemecker.

Was sich jetzt relativ leicht anhört, erfordert viel Vorbereitung. Die Testfahrzeuge müssen beispielsweise auf eine externe, konditionierte Kraftstoffversorgung umgerüstet werden, so dass die Kraftstoffeigenschaften zum Beispiel auf die Temperatur bezogen bei jedem Test identisch sind. „Es macht keinen Sinn, einen 45-Liter-Tank im Fahrzeug zu befüllen. Für unsere Testfahrten auf dem Prüfstand benötigen wir nur relativ geringe Kraftstoffmengen“, so Frank Hemecker. Außerdem lässt sich der Behälter so deutlich einfacher wieder säubern, wenn für einen nächsten Test ein komplett anderer Kraftstoff zum Einsatz kommt. Kraftstoffvermischungen, welche die Testergebnisse verfälschen könnten, werden so vermieden.

Sauberkeit ist überhaupt das Stichwort. „Wenn ich einen Test mit Dieselkraftstoff plane, muss ich mir überlegen, wie ich den Dieselpartikelfilter vor jeder Testserie wieder sauber bekomme“, ergänzt Ulf Kulinna. Der Filter setzt sich mit der Zeit zu. Dadurch verändert sich der Abgasgegendruck und die Ergebnisse wären nicht mehr vergleichbar, weil beispielsweise durch den erhöhten Druck der Kraftstoffverbrauch steigt.

Auf die exakten Abgasuntersuchungen sind die Motorexperten in Bochum besonders stolz. Damit alle relevanten Abgaskomponenten genauestens analysiert werden können, sammeln Frank Hemecker und seine Kollegen bei jeder Testfahrt einen repräsentativen Teil der Abgase in einem speziellen Kunststoffbeutel. Bis zu 110 Liter dieser verdünnten Emissionen gehen in so einen Beutel. Die so gesammelten Abgase werden nach dem Test von der Abgasanalysenanlage ausgewertet, die mit ihren speziellen Messgeräten für jede Abgaskomponente wie ein kleines Labor ausgestattet ist. „Wegen dieser sehr genauen Analyse sind wir von der Deutschen Akkreditierungsstelle akkreditiert“, berichtet Frank Hemecker.

Klimakammer und Fahrroboter

Die Forscher stellen sich regelmäßig den teils völlig unterschiedlichen Herausforderungen der globalen Kraftstoffmärkte. Um beispielsweise zu simulieren, wie ein Motor bei tiefen Minusgraden startet, werden die Fahrzeuge in der Klimakammer bei bis zu minus 40 Grad getestet. Umgekehrt schaut das Team auch ganz genau hin, wie sich Kraftstoffe bei extremer Hitze verhalten. Auch das ist in der Klimakammer möglich. Und für Langstreckentests wird das Team außerdem noch von Alfred verstärkt. Alfred fährt gern 20.000 Kilometer am Stück ohne Kaffeepause. Das geht allerdings nur, weil Alfred aus Metall ist. „Kein Mensch könnte solche Strecken an einem Stück absolvieren. Dafür haben wir unseren Fahrroboter“, sagt Ulf Kulinna. 

Sowohl Ulf Kulinna als auch Frank Hemecker sind mit ihrem Beruf sehr zufrieden. Sie erfahren viel über Fahrzeuge und kennen alle Stärken und Schwächen. „Dennoch ist mein aktuelles Fahrzeug ein Golf GTI. Bei der Entscheidung ging es sicherlich nicht um den Kraftstoffverbrauch, das war reiner Spaß“, lacht Frank Hemecker.