Reise durch die Zeit

Die Anfänge der BP in Deutschland reichen zurück bis ins ausgehende 19. Jahrhundert. 1899 wurde das Zentralbüro der österreichischen und ungarischen Raffinerien in Wien gegründet, das als Kartell den Mineralölexport aus der Donaumonarchie organisierte.

Als Telegrammadresse des Exportbüros wählte man 'Petrolexport' oder kurz 'OLEX'. Nach der Umbildung des Kartells in die Aktiengesellschaft für österreichische und ungarische Mineralölprodukte begann 1905 der Aufbau von Regionalvertriebsgesellschaften und Tanklagern in Deutschland zum Verkauf von Petroleum für Beleuchtungszwecke. 

Eine zweite Wurzel der BP in Deutschland lag bei der 1904 entstandenen Deutschen Petroleum-Aktiengesellschaft (DPAG), die 1906 in die von mehreren Banken und Mineralölgesellschaften gegründete Europäische Petroleum-Union (EPU) integriert wurde. Als deutsche Vertriebsgesellschaft der EPU fungierte die Deutsche Petroleum-Verkaufs-Gesellschaft (DPVG). In Großbritannien übernahm diese Aufgabe die British Petroleum Company. 

Im Rahmen der Neuordnung der deutschen Mineralölwirtschaft nach dem ersten Weltkrieg kam es 1926 zur Fusion von OLEX und DPVG zur OLEX Deutsche Petroleum-Verkaufsgesellschaft mbH. An dem neuen Unternehmen erwarb die 1909 in London gegründete Anglo-Persian Oil Company (APOC), eine Beteiligung von 40%. Die APOC hatte bereits während des Ersten Weltkriegs die als Feindvermögen beschlagnahmte British Petroleum Company übernommen und ab 1920 das in Anführungszeichen stehende Kürzel 'BP' zum Markenzeichen gemacht. Mit der neuen OLEX, die Anfang 1923 die erste Tankstelle modernen Typs in Hannover eröffnet hatte, erweiterte sie ihr Engagement in dem zu dieser Zeit hart umkämpften deutschen Markt. Bis 1931 folgte die vollständige Übernahme der OLEX. Bereits ein Jahr zuvor war das Unternehmen in Reaktion auf die wachsende Bedeutung von Automobilkraftstoffen in OLEX Deutsche Benzin- und Petroleum-Gesellschaft mbH umbenannt und das Firmenzeichen 'BP', allerdings noch in den gelb-blauen OLEX-Farben, eingeführt worden.

30er bis 50er Jahre

Mit Hilfe der Mineralölbasis ihrer britischen Mutter expandierte die OLEX in den 1930er Jahren zu einer der großen deutschen Kraftstoffvertriebsgesellschaften. 1939 betrieb sie im Deutschen Reich rund 7.000 Tankstationen – der Benzol-Verband mit Aral etwa 11.000. Sie war bedeutender Lieferant der Lufthansa, im Schifffahrtgeschäft jedoch nur wenig vertreten. 1940 wurde die OLEX unter deutsche Zwangsverwaltung gestellt, nachdem sie sich wie die gesamte Branche seit Anfang des Zweiten Weltkriegs unter Aufsicht des staatlichen Zentralbüros für Mineralöl befand. 

Auch nach dem Krieg blieb die Zwangsbewirtschaftung durch das Zentralbüro bis 1951 bestehen, sodass sich die mittlerweile nach Hamburg verlegte OLEX zunächst auf den Schmierölmarkt und ihre neue Marke Energol konzentrierte. Da sie über keine eigene Produktion verfügte, erwarb ihre 1935 in Anglo-Iranian Oil Company (AIOC) umbenannte Mutter eine Beteiligung an der Oelwerke Julius Schindler GmbH. Zugleich begannen die Vorbereitungen für den Neubeginn des Kraftstoffgeschäftes mit der Übernahme der Europäischen Tanklager- und Transport-AG (Eurotank) und ihrer Hamburger Raffinerie. Äußeres Kennzeichen der Erweiterung der Geschäftsaktivitäten auf die Produktionsebene war die Umfirmierung der OLEX in BP Benzin- und Petroleum-Gesellschaft mbH nach ihrer Fusion mit der Eurotank 1950 und die Übernahme der gelb-grünen Hausfarben. Nach der zwischenzeitlichen Enteignung der AIOC im Iran führte auch sie ab 1954 als The British Petroleum Company Ltd. den Markennamen als Unternehmensnamen.

60er und 70er Jahre

1957 begann die BP in Deutschland mit einer umfassenden Diversifizierung und Expansion ihrer Geschäftsfelder. Innerhalb eines Jahrzehnts wuchs die BP aus einer reinen Vertriebsgesellschaft zu einem integrierten Unternehmen der Mineralölwirtschaft. Den Anfang machte die Entwicklung der Chemiesparte durch die Gründung der Erdölchemie GmbH (EC) in Dormagen gemeinsam mit den Farbenfabriken Bayer AG. Gleichzeitig begannen die Planungen zum Bau der BP Ruhr-Raffinerie bei Hünxe, die 1960 in Betrieb genommen wurde. Dazu kam die Beteiligung an der Nordwest Oelleitung GmbH (NWO), die die erste Mineralölfernleitung Europas von Wilhelmshaven über das Emsland und das Ruhrgebiet in den Kölner Raum baute. Es folgte die Übernahme der Mehrheit an den Oelwerken Julius Schindler und 1968 die Inbetriebnahme der BP Raffinerie Bayern in Vohburg bei Ingolstadt. 

Die 1970er Jahre standen im Zeichen der Reorganisation des Tankstellengeschäfts und der weiteren Diversifikation in die Kunststoffchemie. Die Reduzierung des rund 5.000 Tankstellen umfassenden Netzes wurde von der Einführung des Selbsttankens und der Ausdehnung des Shopgeschäfts im neuen 'autoshop' begleitet. Verschiedene Beteiligungen an Unternehmen der Kunststoffindustrie erweiterten als Reaktion auf die erste Ölkrise den Verarbeitungssektor des 1974 in Deutsche BP AG umbenannten Unternehmens.

80er Jahre bis heute

1979 begann im Jahr der zweiten Ölkrise der Umbau der deutschen BP vom Mineralöl- zum Energieunternehmen. Durch die Übernahme der Gelsenberg AG von der Veba AG erhielt das Unternehmen u. a. Anteile an den Raffinerien in Ingolstadt (ERIAG) und Speyer sowie das Tankstellennetz der Fanal GmbH und eine Beteiligung von rund 25 Prozent an der Ruhrgas AG. 1985 zwangen die Überkapazitäten auf dem Raffineriesektor zur Stilllegung der Verarbeitungsanlagen der Raffinerie Hamburg-Finkenwerder und der Ruhr-Raffinerie. Es folgte die Zusammenfassung der beiden bayerischen Raffinerien in der Raffineriegesellschaft Vohburg/Ingolstadt mbH und des Schmierölgeschäfts der Oelwerke Julius Schindler und der BP Stromeyer zur neuen BP Oiltech GmbH. Ende der 1980er Jahre gab die Deutsche BP AG außerdem ihre eigenständigen Explorationsaktivitäten auf und trat die Kunststoffproduktion an die BP Chemicals Investments in London ab. Unter dem Motto 'Horizon' gab sich BP 1989 weltweit ein neues Erscheinungsbild, das nicht nur die Überarbeitung des seit den 1950er Jahren unveränderten Wappens in Form, Schriftzug und Grundfarbe, sondern auch eine Vereinheitlichung des Tankstellendesigns umfasste. In Deutschland trug zum neuen Bild auch das Petit Bistro bei, das den Wandel der Tankstellenshops zum Convenience Store markierte.

Die Jahre um die Jahrtausendewende wurden schließlich von einem weitgehenden Wandel der Konzernstruktur geprägt ausgelöst sowohl durch die Aktivitäten der britischen Muttergesellschaft als auch durch die Entwicklung der deutschen Energiewirtschaft. Nach dem Joint Venture zwischen BP und Mobil im europäischen Kraft- und Schmierstoffbereich übernahm BP 1997 die Führung des Kraft- und Brennstoffgeschäft, während Mobil für das Schmierstoffgeschäft zuständig blieb. Das Verbrauchergeschäft wurde in der BP Direkt GmbH gebündelt und die bayerischen Raffinerien in der BAYERNOIL Raffineriegesellschaft zusammengefasst.

Die internationalen Fusionen der BP mit Amoco, Arco und Burmah Castrol und die Hinwendung zum Erdgas sowie zu alternativen Energien führten im Juli 2000 zu einem neuen Firmenlogo, dem 'Helios'. Mit der Auflösung des europäischen Joint Ventures mit Mobil aufgrund der Fusion von Exxon und Mobil und der Integration der Deutschen Burmah-Castrol-Gruppe in die deutsche BP wurden die Schmierstoffaktivitäten 2001 in der bp Lubes Services GmbH gebündelt. 

2002 folgte der abschließende Schritt der Neuordnung. Die Deutsche BP übernahm vom E.ON Konzern die „Veba Oel AG“ und damit auch die „Aral AG“ sowie die „Veba Oil Refining & Petrochemicals GmbH“ und eine 50%ige Beteiligung an der Ruhr Oel GmbH. Damit gelangten u.a. die Raffinerien in Gelsenkirchen und die Raffinerie Emsland in Lingen zum Unternehmen. Der Geschäftsbereich wurde nun von der BP Refining & Petrochemicals GmbH und bei der Ruhr Oel als paritätisches Joint Venture mit der staatlichen Mineralölgesellschaft Petróleos de Venezuela (PdVSA) geführt. Die Anteile der PdVSA übernahm 2011 der russische Energiekonzern Rosneft. 

2003 wurde die operative Zentrale der deutschen BP von Hamburg an den Sitz von Aral nach Bochum verlegt und mit der Tankstellen-Umflaggung auf Aral begonnen. Heute existieren in Deutschland aus Markenschutzgründen noch fünf BP Stationen. 2005 wurde der Vertrieb der Marke Veedol eingestellt, sodass in Deutschland noch die drei Marken BP, Aral und Castrol erhältlich sind. 2006 wurde das neue Bürogebäude in Bochum bezogen. 2010 und 2011 wurden nach und nach die Landesgesellschaften in Belgien, Deutschland, den Niederlanden, Österreich, Polen und der Schweiz in der BP Europa SE zusammengefasst.
Seit 1. Januar 2017 ist BP alleiniger Eigentümer der Raffinerie Gelsenkirchen.