Der globale Energiebedarf wird dabei bis 2030 um insgesamt 39 Prozent bzw. um 1,6 Prozent pro Jahr steigen, wobei diese Erhöhung fast ausschliesslich auf die Nicht-OECD-Staaten entfallen wird; der Verbrauch in den OECD-Ländern wird im genannten Zeitraum lediglich um 4 Prozent steigen. Dabei werden die fossilen Brennstoffe ihre dominante Stellung auf dem Energiesektor unverändert beibehalten; BP sagt voraus, dass 81 Prozent der weltweiten Energienachfrage im Jahr 2030 über fossile Brennstoffe abgedeckt werden; dieser Anteil liegt 6 Prozent unter dem heutigen Wert. Der Untersuchungszeitraum wird darüber hinaus durch eine zunehmende Substitution von Energieträgern geprägt sein, bei der sich Gas und Erneuerbare Energien auf Kosten von Kohle und Erdöl durchsetzen werden.
Bei dieser allmählichen Umstellung werden die Erneuerbaren Energien (einschliesslich Biokraftstoffe) weltweit die am schnellsten wachsenden Energieträger sein; mit einem Wachstum von mehr als 8 Prozent pro Jahr wird ihre Steigerungsrate viel höher liegen als die von Erdgas, dem am schnellsten wachsenden fossilen Energieträger (jährlich ca. 2 Prozent bis 2030).
"Die wichtigste Botschaft dabei ist, dass wir einen offenen und von Wettbewerb geprägten Energiemarkt benötigen, der uns zu Innovationen anhält und der somit auf eine Maximierung der Energieeffizienz ausgelegt ist; dann können wir auf lange Sicht auf eine ausreichende, sichere und nachhaltige Energieversorgung vertrauen", fügte er hinzu.
BP Chefvolkswirt Christof Rühl betont, dass die Auswirkungen von Globalisierung und intensivem Wettbewerb weltweit zu einer bemerkenswerten Fokussierung der Energieintensität führen werden; dies ist eine Messgrösse, die den Energieeinsatz pro Einheit des Bruttoinlandsproduktes widerspiegelt.
Aufgrund der zunehmenden Versorgung aus unkonventionellen Energievorkommen, zu denen unter anderem auch Ölschiefer und Schiefergas, kanadische Ölsande und Tiefseevorkommen in Brasilien zählen, wird die westliche Hemisphäre vor dem Hintergrund einer allmählich sinkenden Nachfrage nach Öl bis 2030 bei der Energieversorgung nahezu autark sein. Dies bedeutet, dass die Wachstumsmärkte im Rest der Welt, vornehmlich in Asien, ihren steigenden Ölbedarf in zunehmendem Masse aus Vorkommen im Mittleren Osten befriedigen müssen.
Es steht zu erwarten, dass die Kohle in der laufenden Dekade weitere Marktanteile hinzugewinnt, bis sich diese Wachstumsphase dann zwischen 2020 und 2030 abschwächt; die Wachstumsrate beim Gas wird wohl stabil bleiben und nach 2020 wird fast die Hälfte des Energiewachstums wahrscheinlich über nicht-fossile Energieträger abgedeckt werden.
Die Stromerzeugung wird im Zeitraum bis 2030 wohl der am schnellsten wachsende Energieverbraucher sein und über die Hälfte des Gesamtwachstums beim Primärenergieverbrauch ausmachen. Zudem sind im Strommarkt auch die grössten Veränderungen im Hinblick auf den eingesetzten Energiemix zu erwarten. Die Erneuerbaren Energien, Nukleartechnik und Wasserkraft werden mehr als 50 Prozent des Wachstums in der Stromerzeugung abdecken.
Die diesjährige Ausgabe des Energy Outlook 2030 untersucht detailliert verschiedene wichtige Aspekte des globalen Energiemarktes: die Wege, die sowohl die wirtschaftliche Entwicklung wie auch die Energienachfrage in China und Indien eingeschlagen haben; die Einflussfaktoren für den Energieexport aus dem Mittleren Osten und die wichtigsten Einflussfaktoren für den Energieverbrauch im Strassentransport.
Zur Befriedigung der Nachfrage bleibt dabei das hohe Mass an Abhängigkeit von höheren Ölexporten aus den OPEC-Ländern im Mittleren Osten bestehen. Die BP Analyse legt nahe, dass die Länder des Mittleren Ostens in der Lage sind, die zur Befriedigung der Nachfrage erforderlichen neuen Fördermengen produzieren zu können, auch wenn erwartet wird, dass der Pro-Kopf-Energieverbrauch in der Region mehr als drei Mal so hoch sein wird wie in den übrigen Nicht-OECD-Ländern.
BP konstatiert, dass man nicht nur stetigen Fortschritt erwartet bei den langfristig angelegten Bemühungen, Öl durch Gas zu ersetzen, sondern auch Effizienzverbesserungen beim Energieeinsatz in der Region. Die Produktion von flüssigen Kohlenwasserstoffen, die bei der Gasförderung in Saudi-Arabien, dem Irak und andernorts in der Region anfallen, wird den grössten Teil der steigenden Lieferungen ausmachen; ca. 34 Prozent der globalen Erdölförderung werden 2030 aus dieser Region stammen.
Der globale CO2-Ausstoss wird bis 2030 wahrscheinlich um ungefähr 28 Prozent steigen und somit dank des schnellen Wachstums bei den Erneuerbaren Energien und Erdgas weniger stark ausfallen als der derzeitige Anstieg des Energiebedarfs. Sollten aggressivere umweltpolitische Massnahmen umgesetzt werden, könnte es bis zum Jahr 2030 zu einem Rückgang der CO2-Emissionen kommen.
Im Zeitraum bis 2030 werden die Energie importierenden Länder 40 Prozent mehr Energie importieren als sie dies heute tun, wobei diese Entwicklung regional unterschiedlich ausgeprägt ist. In Nordamerika sollten dabei die Anstrengungen zur Reduzierung der Abhängigkeit von Energielieferungen aus dem Ausland innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte eindrucksvolle Erfolge aufweisen. Dank der Wachstumsraten bei Biokraftstoffen und bei der Versorgung aus unkonventionellen Öl- und Gasvorkommen wird sich Nordamerikas Energiedefizit bis 2030 in einen kleinen Überschuss umwandeln.
Chinas Energiedefizit bei sämtlichen Energieträgern wird um mehr als Faktor 5 steigen, wobei sich Indiens Energiedefizit, hauptsächlich mit Blick auf Öl und Kohle, im Zeitraum bis 2030 mehr als verdoppeln wird.
Die Veröffentlichung des Energy Outlook 2030 durch BP versteht sich als eine Ergänzung der diesjährigen Ausgabe des BP Statistical Review of World Energy, der im Juni 2012 publiziert wird.