60. BP Statistical Review of World Energy

Datum: 15 Juni 2011

Stärkster Anstieg der globalen Energienachfrage seit 38 Jahren - China überholt USA als größter Energieverbraucher der Welt

2010 avancierte China zum weltgrößten Energieverbraucher. Damit überholte China die USA in einem Jahr, in dem die globale Konjunkturerholung den Energiekonsum auf bisher beispiellose Spitzenwerte trieb. Und dies zu Steigerungsraten, die wir zuletzt direkt nach dem Ölpreisschock von 1973 beobachten konnten. 

2010 kam es damit nicht nur zu einem starken Nachfrageschub nach jeglicher Art von Energie, sondern auch zum schnellsten Anstieg der weltweiten Kohlendioxidemissionen seit 1969, gemessen am Verbrauch fossiler Energiequellen. 

Der Konsumanstieg betraf alle Weltregionen gleichermaßen: Nicht nur die entwickelten OECD-Nationen, sondern auch die Schwellenländer verzeichneten überdurchschnittlich hohe Wachstumsraten. 

Diese Zahlen und Fakten stammen aus dem kürzlich veröffentlichten Statistical Review of World Energy, dessen Erscheinen sich 2011 bereits zum 60. Mal jährt. Bei diesem Bericht handelt es sich um die am längsten bestehende, objektive und konsistente Zusammenstellung globaler Energiedaten, die von Unternehmen, Akademikern und Regierungen zur Entscheidungsfindung und politischen Weichenstellung genutzt wird.

„2010 kamen sowohl strukturelle als auch konjunkturelle Faktoren zum Tragen“, sagte jüngst Bob Dudley, CEO von BP. „Der konjunkturelle Einfluss zeigte sich in der schnellen Erholung der Industrieproduktion angesichts des globalen Aufschwungs nach der Rezession. Auf struktureller Ebene spiegelt der steigende Verbrauch das kontinuierliche, rapide Wirtschaftswachstum der Schwellenländer wider. Vor einigen Wochen besuchte ich China, und dabei wurde mir klar, wie konsequent sich dieses Land mit diesen energiepolitischen Aspekten auseinandersetzt. Dabei geht es nicht nur um Wachstum. Der soziale Zusammenhalt soll gestützt und das Wachstum nachhaltiger werden. Grundsätzlich sorgt man sich vor allem um Energiesicherheit und Klimawandel – also genauso wie bei uns.“ 

In diesem Sinne „können wir Marktmechanismen, politische Mittel, technische Fortschritt und nicht zuletzt den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien nutzen, um diesen Herausforderungen zu begegnen“, erklärte Dudley. 

„Im laufenden Jahr haben die globalen Energiemärkte bereits ihre Belastbarkeit bewiesen. Trotz bedeutender Ausfälle im weltweiten Energiesystem durch die Ereignisse in Japan und Libyen konnte die Nachfrage bedient werden. Die Märkte funktionieren – und sie funktionieren besonders gut, wenn sie offen und transparent sind.“

Überblick

Die bedeutende Erholung des weltweiten Energieverbrauchs folgte nahtlos auf eine globale Rezession. Auf Nachfrageseite gab es 2010 mit 5,6 % die höchste Zuwachsrate seit 1973. Bei sämtlichen Energieträgern – und in allen Regionen – stieg der Konsum. Damit überholte der Gesamtenergieverbrauch 2010 sogar den Vorrezessions-Spitzenwert von 2008.

„Angeführt wurde dieses rasante Wirtschaftswachstum von den Nicht-OECD-Staaten, die am wenigsten unter der Krise zu leiden hatten. Zum Jahresende hatte die globale Konjunktur das Vorkrisenniveau sogar überholt. Und dies war vor allem den sogenannten Schwellenländern zu verdanken“, erklärt der Head of Refining Analysis BP-Gruppe, Kevin Goodwin, in Wien.

Global gesehen wuchs der Energieverbrauch schneller als die Wirtschaft, so dass auch die Energieintensität zum zweiten Jahr in Folge anstieg. Aus diesen Daten lässt sich folgern, dass auch die globalen CO2-Emissionen aus dem Verbrauch fossiler Energieträger im vergangenen Jahr stark angezogen haben.

„Die Energieintensität – d. h. der Energieverbrauch pro Einheit des Bruttoinlandsprodukts (BIP) – wies die höchste Zuwachsrate seit 1970 auf. Unter dem Strich hat die Welt, und damit wir alle, 2010 also mehr Energie pro Kopf verbraucht als je zuvor“, so Goodwin.

In den OECD-Ländern stieg die Nachfrage um 3,5 %; dies war der stärkste Anstieg seit 1984, obwohl der OECD-Verbrauch weiterhin ungefähr dem Konsumniveau vor 10 Jahren entspricht. In Nicht-OECD-Nationen stieg der Verbrauch um 7,5 % und lag damit um 63 % über den Werten von 2000. Generell gesehen beschleunigte sich der Verbrauchsanstieg 2010 in allen Regionen und lag überall über den bisherigen Durchschnittswerten. Allein in China stieg der Energiekonsum um 11,2 % und China überholte die USA als weltgrößten Energieverbraucher. Öl blieb auch 2010 mit einem Anteil von 33,6% am globalen Energieverbrauch der wichtigste Energieträger.

Der globale Ölverbrauch erhöhte sich um 2,7 Millionen Barrel pro Tag (Mbpd) bzw. 3,1 %. Dies war der deutlichste Anstieg seit 2004. Laut Goodwin „übertraf die Wachstumsrate das Zehnjahresmittel um mehr als das Doppelte: Während die OECD-Länder zum ersten Mal seit 2005 überhaupt eine steigende Nachfrage registrierten, meldeten die Nicht-OECD-Staaten den größten volumetrischen Anstieg aller Zeiten. Mit einem Konsumschub von 860.000 Barrel pro Tag oder 10,4 % entfiel der größte Verbrauchsanstieg einer einzelnen Nation auf China, gefolgt von den USA, Russland und Brasilien, die ebenfalls eine stark erhöhte Nachfrage verzeichneten.“

Im Rahmen des steigenden Ölverbrauchs zog auch das Produktionsvolumen deutlich an, allerdings nicht ganz so stark wie der Konsum. Das Produktionswachstum verteilte sich etwa gleichmäßig auf die OPEC-Mitglieder und Nicht-OPEC-Produzenten. Im OPEC-Raum verzeichneten Nigeria und Katar diehöchsten Wachstumsraten, außerhalb der OPEC „erreichte China den größten Produktionsanstieg der Landesgeschichte dank des Ausbaus der Offshore-Förderung. Auch Russland und die USA trugen wesentlich zum Wachstum bei, während Norwegen den stärksten Produktionsrückgang der Welt vermeldete“, erklärt Goodwin.

Im Laufe des Jahres pendelte sich der Ölpreis bei etwa 70 bis 80 Dollar pro Barrel ein, gefolgt von einem Anstieg im vierten Quartal. Aufgrund der OPEC-Produktionsbeschränkungen, die während der Rezession 2008/2009 eingeführt worden waren und weiterhin gelten, und trotz informeller Produktionssteigerungen angesichts der starkenNachfrageerholung, erreichte der Jahresdurchschnittspreis das zweithöchste Niveau seit Beginn der Aufzeichnungen. In Anbetracht der hohen Preise verzeichnete Öl 2010 den schwächsten Nachfragesprung aller fossilen Energieträger.

Zur Situation auf dem Erdgasmarkt bemerkt Goodwin, dass „der globale Gasverbrauch um 7,4 % stieg und damit das bisher höchste Volumenplus aller Zeiten erzielte. Während Nicht-OECD-Länder ihren Marktanteil auf mehr als 51 % ausbauen konnten, festigte China seine Position als größter asiatischer Gasmarkt. Doch auch die OECD-Nationen legten stark zu (6,4 % oder +93 Mrd. m3) und brachen alle bisherigen Verbrauchsrekorde. Desgleichen verzeichnete der globale Produktionsanstieg mit 7,3 % eine Rekord-Zunahme. Davon entfiel 31 % auf die ehemalige Sowjetunion, gefolgt vom Nahen Osten. 

„Gleichzeitig läuteten die US-amerikanische Schiefergasrevolution sowie massive Umwälzungen auf dem LNG-Markt eine Neuordnung des globalen Erdgasmarkts ein“, erklärt Goodwin. „Im Laufe der vergangenen fünf Jahre erhöhte sich das globale LNG-Angebot um insgesamt 58 % – und wuchs damit dreimal so schnell wie die gesamte Erdgasproduktion. 2010 expandierte die LNG-Produktion sogar um bisher beispiellose 22,6 % (55 Mrd. m3).“

Weitere Energieträger

Wie alle anderen Kraft- und Brennstoffe auch verzeichnete Kohle 2010 überproportional starke Zuwachsraten im Konsum – und zwar um 7,6 % (250 Mio. t Öläquivalent). Der Verbrauchsschwerpunkt verschob sich weiter in Richtung der Nicht-OECD-Staaten: In China und Indien erhöhte sich der Konsum um 10,1 % (157 Mio. t Öläquivalent) bzw. 10,8 % (27 Mio. t Öläquivalent). Doch auch der OECD-Kohleverbrauch stieg um 5,2 % (54 Mio. t Öläquivalent) an und damit schneller als in den vergangenen 31 Jahren, trotz des 10 %-igen Konsumrückgangs im Vorjahr. Damit wuchs der Kohlekonsum deutlich stärker als die Nachfrage nach allen anderen fossilen Energieträgern.

In diesem Jahr behandelt der Review erstmals auch erneuerbare Energien außer der Wasserkraft. Während die Biokraftstoffproduktion um 13,8 % – oder etwa 240.000 Barrel/Tag – anzog, vor allem in Brasilien und den USA, erhöhte sich die Produktion erneuerbarer Energien zur Stromerzeugung – einschließlich Windkraft, Solarenergie, Geothermie und kommerzieller Biomasseproduktion – um ganze 15,5 %. Ein Großteil dieses Anstiegs entfiel auf die OECD-Staaten, doch auch Chinas Produktion stieg um 75 % und lieferte so den zweithöchsten Beitrag zum Ausbau erneuerbarer Energien nach den USA. Zusammengenommen bedienten diese Quellen 1,8 % der globalen Energienachfrage, was einer Verdreifachung ihres Anteils innerhalb eines Jahrzehnts gleichkommt. „In den vergangenen fünf Jahren haben erneuerbare Energien 10 % zum Primärenergiewachstum beigetragen – und damit mehr als alle mineralölbasierten Produkte“, so Goodwin.

Wasserkraft zeigte – absolut gesehen – den größten Produktionssprung aller Zeiten. „2010 war das niederschlagreichste Jahr seit 1900“, erklärt Goodwin. Und obwohl die Wachstumsrate der Kernenergie mit 2 % nicht an die Ergebnisse anderer Energieträger heranreichen konnte, lag sie über dem eigenen Durchschnittswert.

*Biokraftstoffe für den Transport werden im Rahmen des Berichts in den ‚Ölverbrauch‘ eingerechnet und nicht gesondert unter ‚Erneuerbare Energien‘ abgehandelt

**Erneuerbare Energien zur Stromerzeugung und Biokraftstoffe

Hinweise für die Redaktion

Die BP Europa SE Zweigniederlassung BP Austria ist Teil der internationalen BP Gruppe, eines der führenden internationalen Öl- und Gasunternehmen. BP in Österreich versorgt den heimischen Markt mit Treibstoffen, Convenience-Shop-Produkten, Schmierstoffen, Heizöl und Flugtreibstoffen. BP beschäftigt in Österreich 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und verfügt über ein Tankstellennetz von 262 BP Stationen (Stand: Jänner 2018).

Weitere Informationen finden Sie unter www.bp.at und www.bptankstelle.at.