BP Statistical Review of World Energy 2010

Datum: 18 August 2010

Rezession verursacht 2009 sinkenden Energieverbrauch

  • Globaler Primärenergieverbrauch zum ersten Mal seit 1982 gesunken
  • Russland überholt Saudi Arabien als größter Rohölproduzent
  • USA übertreffen Russland als größter Erdgasproduzent
  • Niedrigste Raffinerieauslastung seit 1994
  • Europa profitiert von kostengünstigerem LNG-Angebot
  • Kohleverbrauch stagniert
  • Dynamisches Wachstum bei Wind, Solar und Strom aus Wasserkraft

Nach dem diesjährigen BP Statistical Review of World Energy war die Rezession im vergangenen Jahr für den Rückgang des weltweiten Energiekonsums unter den Vorjahreswert verantwortlich. Es handelte sich dabei um den ersten Verbrauchseinbruch dieser Art seit 1982, der wiederum durch die erste Schrumpfung der Weltwirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst wurde.

Laut BP-Chefökonom Christof Ruehl „spiegelt der Energiekonsum das allgemeine Muster der Rezession und Markterholung wider. Der globale Primärenergieverbrauch sank 2009 zum ersten Mal seit 1982, und zwar um 1,1 Prozent. In den OECD-Industrienationen schrumpfte der Konsum um 5 Prozent – und sank damit noch stärker als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesen Ländern, so dass die OECD als Ganzes mittlerweile weniger Energie verbraucht als noch vor zehn Jahren. Gleichzeitig stieg der Energiekonsum in den nicht-OECD-Ländern um 2,7 Prozent, weitaus schneller als das BIP – vor allem aufgrund einer massiv gesteigerten Nachfrage in China. Der Trend Richtung Schwellenländer setzt sich also fort.“

Iain Conn, Group Managing Director und Chief Executive von Refining & Marketing kommentierte die wichtigsten Daten und Erkenntnisse des Reviews folgendermaßen: „Der letztjährige Rückgang des weltweiten Energieverbrauchs war ein seltenes Ereignis; die vorläufigen Daten für 2010 zeigen den Wiederanstieg der Nachfrage. Es ist also wichtig, dass auf der ganzen Welt schon heute investiert wird, damit uns allen auch in Zukunft die nötigen Energiemengen zur Verfügung stehen. Gleichzeitig machen die Ereignisse im Golf von Mexiko deutlich, dass die Erschließung bestimmter Energiequellen zweifellos noch bessere Sicherheitsvorkehrungen erfordert, um einen sicheren Betrieb und den Schutz der Umwelt zu garantieren.“

Global gesehen sank der Verbrauch von Öl, Erdgas und Kernenergie. Die Nachfrage nach Kohle verzeichnete eine fortlaufende Stagnation, mit Ausnahme von China und Indien, die über konjunkturgesteuerte Nationalprogramme die Gesamtnachfrage steigern konnten. Ausschließlich die Stromerzeugung aus Wasserkraft und andere erneuerbare Energien wurden 2009 verstärkt produziert und nachgefragt.

Nach den vorliegenden Energieverbrauchsdaten ist der globale, energiebedingte Kohlendioxidausstoß (CO2) damit erstmals seit 1998 zurückgegangen.

Im Jahresmittel fielen die Preise aller gehandelten Energieträger. Besonders betroffen waren Erdgas und Kohle in Nordamerika und Westeuropa, während der Kohlepreis in Asien dank verstärkter chinesischer Importe weniger stark zurückging. Auch die Ölpreise sanken – zum ersten Mal seit 2001. Zu Beginn des Jahres 2009 erreichten die Öl- und Kohlepreise ihren Tiefpunkt auf den Wettbewerbsmärkten. Während sich die Ölpreise am schnellsten erholten, sanken die Spotpreise für Erdgas in Nordamerika und Westeuropa bis weit in die Jahresmitte hinein.

Neben der unterschiedlichen Nachfragelage für die verschiedenen Energie-träger und Regionen spielten bei der unterschiedlichen Preisentwicklung auch Faktoren auf der Angebotsseite eine Rolle. Auf dem Ölmarkt bewirkten dauerhafte OPEC-Beschränkungen, dass die Produktion schneller fiel als der Verbrauch. Beim Erdgas wurden deutliche Produktionseinbrüche in Russland, Turkmenistan und Kanada teils durch einen Anstieg der LNG-Produktion sowie verstärkte Förderung in den USA ausgeglichen. Die USA verdanken ihren deutlichen Produktionssprung – und die damit einhergehende Rekordsteigerung im dritten Jahr in Folge – vor allem der Erschließung unkonventioneller Quellen, insbesondere der Förderung von Schiefergas.

Der Statistical Review meldet zum Jahresende 2009 Ölreserven in Höhe von 1.333,1 Mrd. Barrel. Diese Zahl berücksichtigt auch die kanadischen Ölsande, die momentan aktiv erschlossen werden, sowie eine Aufwärtskorrektur der offiziellen venezolanischen Reserven. Die globalen Reserven reichen aus, um das Produktionsniveau von 2009 weitere 45,7 Jahre aufrechtzuerhalten. Nach gleicher Berechnungsmethode verfügen wir über ausreichende Erdgasreserven für 62,8 Jahre und Kohlereserven für weitere 119 Jahre.

Öl

Mit durchschnittlich 61,67 $ pro Barrel im Jahr 2009 sank der Dated-Brent-Preis um 37 Prozent – dies war der prozentual stärkste Rückgang seit 1986. Zum Jahresbeginn erreichte der Kurs kaum 40 $, erholte sich im weiteren Verlauf jedoch stetig, bis er zur Novembermitte sein Jahreshoch von 78 $ erreicht hatte. Die fortlaufenden OPEC-Produktionseinschnitte sowie die all-mähliche Erholung der allgemeinen Wirtschaftslage trugen zu dieser Preisentwicklung bei.

Gleichzeitig sank der globale Ölverbrauch um 1,2 Millionen Barrel pro Tag (bpd) oder 1,7 Prozent – dies war der größte Konsumeinbruch seit 1982. In den OECD-Ländern fiel der Verbrauch zum vierten Mal in Folge, und zwar um 4,8 Prozent (2 Millionen bpd). Außerhalb der OECD verlangsamte sich der Konsumanstieg auf 860.000 bpd oder 2,1 Prozent und sorgte damit für das prozentual geringste Wachstum seit 2001. In diesen Ländern waren China, Indien und der Nahe Osten für das gesamte Verbrauchsplus verantwortlich.

Die globale Ölproduktion fiel sogar noch schneller als der Verbrauch. Sie ging um 2 Millionen bpd, oder 2,6 Prozent, zurück – auch dies stellte den größten Einbruch seit 1982 dar. Die gegen Ende 2008 eingeführten OPEC-Produktionsbeschränkungen wurden auch 2009 aufrechterhalten und zeichneten für einen Rückgang von 2,5 Millionen bpd oder 7,3 Prozent verantwortlich. Alle beteiligten OPEC-Mitglieder reduzierten 2009 ihre Förderung. Dabei sorgten die nahöstlichen OPEC-Mitgliedsstaaten für nahezu 75 Prozent der gesamten Produktionsdrosselung.

Außerhalb der OPEC-Länder stieg die Ölproduktion um 0,9 Prozent oder 450.000 bpd an. Allein die US-Förderung erhöhte sich um 460,000 bpd oder 7 Prozent; dies war 2009 der weltweit größte Produktionszuwachs und prozentual betrachtet auch der größte US-Anstieg im Rahmen der vorliegenden Daten. Anderswo wurde das Produktionswachstum in Russland, Brasilien, Kasachstan und Aserbaidschan durch den kontinuierlichen Produktionsrückgang in China sowie in relativ ausgebeuteten OECD-Produktionsregionen wie Mexiko, Norwegen und Großbritannien neutralisiert. Russland avancierte 2009 noch vor Saudi-Arabien zum weltgrößten Ölproduzenten.

Die globalen Raffineriekapazitäten wurden 2009 um 2,2 Prozent oder 2 Millionen bpd aufgestockt, die größte Zunahme seit 1999. Erstmals übertrafen die Kapazitäten in nicht-OECD-Ländern die der OECD-Nationen. Die Kombination aus höherer Raffinerieverfügbarkeit und sinkendem Verbrauch drückte die welt-weite Raffinerieauslastung auf 81,1 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert seit 1994.

Gas

Global gesehen erfuhr Erdgas den größten Konsumeinbruch aller Energieträger. Der Erdgasverbrauch sank um 2,1 Prozent und damit stärker als je zuvor im betrachteten Zeitraum. Mit Ausnahme des Nahen Ostens und des Asien-Pazifik-Raumes gab die Nachfrage in sämtlichen Regionen nach. Die weltweit stärkste Nachfrageeinbuße (nach Volumen) wurde aus Russland gemeldet, wo der Verbrauch um 6,1 Prozent sank. Auch der OECD-Erdgasverbrauch fiel um 3,1 Prozent und verursachte damit den größten Konsumrückgang seit 1982.

Erstmals seit Beginn der vorliegenden Daten sank auch die globale Gasproduktion. In Russland (-12,1 Prozent) und Turkmenistan (- 44,8 Prozent) fiel die Förderung besonders stark, vor allem infolge sinkender Nachfrage – in Russland und in weiten Teilen Europas – und aufgrund der Verfügbarkeit kostengünstiger LNG-Angebote in Europa. Dank der kontinuierlichen Erschließung unkonventioneller Quellen meldeten die USA zum dritten Mal nacheinander den weltgrößten Produktionsanstieg und lösten erstmals Russland als weltgrößten Produzenten ab.

Kohle

Das globale Niveau des Kohleverbrauchs änderte sich 2009 kaum und zeigte sowenig Abweichung vom Vorjahreswert wie zuletzt 1999. Die OECD-Nationen (-10,4 Prozent) und die Länder der ehemaligen Sowjetunion (-13,3 Prozent) verbuchten den bisher stärksten Konsumeinbruch im Betrachtungszeitraum, bedingt durch die Wechselwirkung von Rezession und einem konkurrenzfähigen Erdgas-Angebot. Im Rest der Welt stieg der Verbrauch um 7,4 Prozent, was etwa dem historischen Mittel entspricht. Etwa 95 Prozent dieses Konsumanstiegs entfielen auf China.

Sonstige Energieträger

Die globale Kernenergieproduktion sank zum dritten Mal in Folge und ging 2009 um 1,3 Prozent zurück. Strom aus Wasserkraft stieg zwar nur um unterdurchschnittliche 1,5 Prozent, verbuchte aber dennoch das schnellste Wachstum aller Energieträger.

Obwohl andere alternative Energiequellen bisher nur einen kleinen Teil zum globalen Energiemix beisteuern, gewinnen sie rapide an Bedeutung. Langfristige staatliche Förderung, einschließlich gezielter Konjunkturmaßnahmen in vielen Ländern, haben zur Aufstockung der globalen Windkraft- und Solarenergiekapazitäten um jeweils 31 Prozent und 47 Prozent beigetragen. Auch die Ethanolproduktion stieg an, allerdings nur um 8 Prozent, also nur gut halb so stark wie im historischen Durchschnitt.

Hinweise für die Redaktion

Die BP Europa SE Zweigniederlassung BP Austria ist Teil der internationalen BP Gruppe, eines der führenden internationalen Öl- und Gasunternehmen. BP in Österreich versorgt den heimischen Markt mit Treibstoffen, Convenience Shop-Produkten, Schmierstoffen, Heizöl und Flugtreibstoffen. BP beschäftigt in Österreich 167 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und verfügt über ein Tankstellennetz von 280 BP Stationen (Stand Jänner 2017).

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