Transport

Viele Wege führen nach Rotterdam, dem neben Schanghai und Singapur größten Seehafen der Welt. Auf über 3.600 Hektar erstreckt sich eine Technik-Landschaft aus Hebekränen, riesigen Tankbehältern und einem unüberschaubaren Flechtwerk von Rohrleitungen. Mehr als 40 Prozent des weltweit geförderten Öls gelangen per Tanker an die niederländische Küste.

Öl auf großer Fahrt

Zwischen den Förderstätten des Erdöls und den Raffinerien, in denen es weiterverarbeitet wird, liegen meist Tausende von Kilometern. Rohöl aus außereuropäischen Förderländern kommt hauptsächlich mit Seeschiffen nach Europa. Neben Rohöl werden heute auch Endprodukte wie Benzin oder Heizöl über die Meere transportiert. Dabei übersteigt die jährlich beförderte Menge 1,5 Milliarden Tonnen –allein die USA haben einen jährlichen Verbrauch von 938,8 Millionen Tonnen an Öl.

Die in der Vergangenheit ansteigende Nachfrage nach Transportkapazität von Rohöl verlangte nach immer größeren Tankschiffen. Um die Stabilität eines Schiffs beim Transport von großen Mengen flüssiger Ladung zu gewährleisten, ist der Laderaum zellenförmig in mehrere Tanks (Schotten) untergliedert. Dadurch sind Tankschiffe in der Lage, gleichzeitig verschiedene Rohölsorten bzw. Endprodukte zu transportieren. Die Schotten tragen auch zur Sicherheit der Tankschiffe bei. Sie gewährleisten bei einem Unfall, dass nur kleine Mengen der Ladung austreten können. Die Ladetanks sind mit Heizschlangen durchzogen, um die Volumenänderung der Ladung beim Transport durch verschiedene Klimazonen zu vermeiden und das Öl pumpfähig zu halten. Von den Löschterminals der Seetanker wird das Öl durch Pipelines zu den Raffinerien befördert.

Eine Pipeline der Superlative

Mit einer Länge von 1.768 Kilometern – einer Entfernung von Hamburg nach Moskau – ist sie eine der längsten Pipelines der Welt. Ihr Weg führt durch menschenleere Steppen, über fast 3.000 Meter hohe Berggipfel und unter mehr als 1.500 Flüssen hindurch. Im Mai 2005 wurde die BTC-Pipeline in Betrieb genommen. Hinter den drei Buchstaben verbergen sich die Städte, die die Fernleitung auf ihrem Weg passiert: Von Baku am Westufer des Kaspischen Meers verläuft sie durch Aserbaidschan, an Tiflis vorbei über die Berge Georgiens und der Türkei bis zur türkischen Hafenstadt Ceyhan. Zwischen Anfang und Ende der Pipeline liegen 150.000 Rohrsegmente. Acht Stationen pumpen das Rohöl von Ost nach West. Die Pipeline ist auf ihrer gesamten Länge einen Meter unter der Erde vergraben und hat einen Durchmesser von rund einem Meter. Bis zu 22.000 Menschen waren an ihrem Bau beteiligt.

Eine Million Barrel täglich

Ein internationales Konsortium unter der Führung von BP hat den Bau der Pipeline aus Hochleistungsstahl ermöglicht. Die elf beteiligten Unternehmen investierten über drei Milliarden US-Dollar, um die Ölvorräte im Kaspischen Meer für den Weltmarkt zu erschließen. Sie ist die bislang teuerste Pipeline der Welt und befördert täglich eine Million Barrel Öl.

Die Konstruktion der komplett unterirdisch verlaufenden Pipeline stellte nicht nur technisch eine Herausforderung dar. Bereits in der Planungsphase war ein Expertenteam aus Bauingenieuren, Geologen, Soziologen und Umweltexperten im Einsatz. Bei der Festlegung der Route flossen außer technischen und wirtschaftlichen auch soziale und ökologische Aspekte ein. Die Route wurde so festgelegt, dass keine Menschen umgesiedelt werden mussten. Ein weiterer Vorteil der Streckenführung: Der Zielhafen Ceyhan liegt am Mittelmeer. Damit entfallen die gefährlichen Schiffstransporte vom Schwarzen Meer durch das Nadelöhr Bosporus ins Mittelmeer.

Schutz geht vor

Das Wichtigste ist die Sicherheit von Mensch und Umwelt entlang der Pipeline. Sie führt durch geologisch aktive Regionen und ist so konstruiert, dass sie sich im Falle eines Erdbebens flexibel den Bodenbewegungen anpasst. Dank der Konstruktion sind Schäden am Material unwahrscheinlich. Damit dennoch im Ernstfall sofort reagiert werden kann, überwachen zusätzlich Computer die Leitung. Ist ein Abschnitt beschädigt, kann die Pipeline durch ein System aus 100 Ventilstationen sofort am richtigen Ort gesperrt werden.