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Der Energy Outlook untersucht eine Reihe von Fragen und Unwägbarkeiten, die sich durch derzeit stattfindende Veränderungen der Energielandschaft ergeben.

Stromerzeugung

Auf die Stromerzeugung entfallen nahezu 70 Prozent des Wachstums der Primärenergienachfrage. Die Zusammensetzung der in der Stromerzeugung eingesetzten Energieträger wird sich wesentlich ändern, wobei die erneuerbaren Energien ihren Marktanteil schneller steigern werden als je eine andere Energieart zuvor – von derzeit sieben Prozent auf ungefähr ein Viertel bis zum Jahr 2040. Dessen ungeachtet bleibt Kohle bis 2040 der in der Stromerzeugung am meisten zum Einsatz kommende Energieträger.

Verkehrssektor

Die Energienachfrage im Verkehrssektor erhöht sich im betrachteten Zeitraum um lediglich 25 Prozent, obwohl die Gesamtnachfrage in diesem Sektor sich mehr als verdoppeln wird – ein klarer Beleg für die schnell fortschreitenden Verbesserungen der Fahrzeugeffizienz. Der Verkehrssektor wird weiterhin durch die Nutzung von Öl dominiert (ungefähr zu 85 Prozent im Jahr 2040), trotz der steigenden Nutzung von alternativen Energiearten, insbesondere von Erdgas und Strom.

Die diesjährige Ausgabe des BP Energy Outlook legt dar, dass der strombasierte Bereich des Verkehrssektors sich am besten dadurch messen lässt, indem man sowohl die Zahl der Elektrofahrzeuge berücksichtigt wie auch die Intensität, mit der jedes einzelne Fahrzeug genutzt wird. Berechnungen gehen davon aus, dass der Anteil von Elektrofahrzeugen an der weltweiten Fahrzeugflotte bis 2040 um 15 Prozent steigen wird – auf mehr als 300 Millionen Elektrofahrzeuge bei einer Gesamtzahl von nahezu zwei Milliarden Kraftfahrzeugen weltweit. Der Anteil an der mit PKW zurückgelegten Kilometerleistung beträgt dabei allerdings aufgrund der höheren Nutzungsintensität dieser Fahrzeuge mehr als 30 Prozent. Der BP Energy Outlook zeigt zudem, über welches Potential die Interaktion zwischen selbstfahrenden Fahrzeugen und beispielsweise gemeinschaftlich genutzten Fahrzeugen (Car Sharing) verfügt, um die Intensität, mit der Elektrofahrzeuge genutzt werden, entschieden zu erhöhen. 

Eine wichtige Unbekannte bei dieser Betrachtung ist die Geschwindigkeit, mit der sich der Verkauf von Elektrofahrzeugen im Zeitraum bis 2040 entwickelt. Um die Bedeutung dieses Faktors auszuloten, untersucht der Outlook ein Szenario, bei dem ein weltweites Verkaufsverbot für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab 2040 zugrunde gelegt wird. Bei dieser Annahme verringert sich die Nachfrage nach flüssigen Treibstoffen um ungefähr zehn Millionen Barrel pro Tag bezogen auf das Evolving Transition Szenario; dennoch würde in diesem ‹Verbots-Szenario› die Nachfrage nach Öl im Jahr 2040 höher liegen als 2016.  

«Die Annahme, dass ein schneller Anstieg der Zahl von Elektrofahrzeugen die Ölnachfrage kollabieren lässt, wird durch die vorliegenden Zahlen einfach nicht unterstützt – selbst bei einem sehr schnellen Anstieg nicht», führt Spencer Dale aus. «Auch das Szenario eines Verkaufsverbotes für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und angesichts sehr hoher Effizienzstandards wird die Ölnachfrage 2040 immer noch höher sein als heute.»

Energie & Industrie

Die Nachfrage nach Öl seitens der Industrie macht circa die Hälfte des Anstiegs des Energieverbrauches aus. Über Effizienzverbesserungen verlangsamt sich die industriell bedingte Ölnachfrage (ohne den Sektor mit nicht auf Verbrennung basierender Nutzung), im Wesentlichen bedingt durch Chinas Umstellung auf eine weniger energieintensive Dienstleistungs- und kundenorientierte Wirtschaftsstruktur. Chinas rückläufige Nachfrage wird allerdings wahrscheinlich durch weniger starke Wirtschaftsräume aufgefangen. 

Insbesondere der Einsatz als Rohstoff in der Petrochemie stellt die am schnellsten wachsende Nachfrageseite des Gesamtbedarfs an Öl und Erdgas dar. Diese Nutzungsart wächst mehr als doppelt so schnell als andere industrielle Einsatzbereiche. Allerdings wird das Nachfragewachstum durch zunehmend mit Nachdruck geäusserte Umweltbedenken in Hinblick auf einige der hier hergestellten Produkte im Vergleich zu früheren Jahren stark gebremst - mit Blick auf Einmalprodukte aus Plastik sowie Verpackungsmaterialien. Auf Öl entfallen nahezu zwei Drittel des Wachstums der nicht auf Verbrennung basierenden Energieverwendung, während Erdgas den wesentlichen Teil der verbleibenden Menge für sich beansprucht.

Regionale Betrachtungen

Sämtliches Wachstum beim Energieverbrauch ist auf die schnell wachsenden Märkten  der Entwicklungsländer zurückzuführen: China und Indien werden bis 2040 die Hälfte der Erhöhung der globalen Energienachfrage für sich beanspruchen. Im Verlauf der Untersuchungsperiode wird sich die Energienachfrage in China im Zuge der Umstellung auf ein eher nachhaltig ausgerichtetes Wirtschaftswachstum verlangsamen. Demgegenüber wird in Indien der Rückgang der Nachfrage weniger deutlich ausfallen und das Land wird China zu Beginn der 2030er Jahre als den weltweit am schnellsten wachsenden Energiemarkt ablösen. Zum Ende des von BP Energy Outlook betrachteten Zeitraumes wird Afrika eine zunehmend wichtige Rolle als treibende Kraft der Energienachfrage zukommen. Der Kontinent wird zwischen 2035 und 2040 einen grösseren Anteil am globalen Nachfragewachstum für Energie verzeichnen als China.

CO₂-Emissionen: weiteres Handeln notwendig

Der Outlook kommt zu dem Schluss, dass der CO₂-Ausstoss weltweit bis 2040 um zehn Prozent steigen wird. Auch, wenn dieser Wert weit unterhalb der Steigerungsraten in den zurückliegenden 25 Jahren ist, liegt diese Entwicklung hinter dem, was als notwendig erachtet wird, um die in Paris vereinbarten Klimaziele zu erreichen.  

Vor diesem Hintergrund untersucht der BP Energy Outlook auch ein Modell der Internationalen Energieagentur, das bis 2040 eine CO₂-Senkung um nahezu 50 Prozent vorsieht. Der Hauptanteil dieses zusätzlichen Rückgangs    wird in diesem Szenario – bezogen auf das Evolving Transition Szenario – der Stromerzeugung gutgeschrieben, der bis zum Jahr 2040 fast vollständig kohlenstofffrei sein soll.   

«Wir müssen uns konsequent von den Verhaltensmustern der Vergangenheit trennen und einen neuen Weg einschlagen», führte Bob Dudley abschliessend aus. «Wir bei BP sind unverändert der Auffassung, dass die Bepreisung von CO₂-Emissionen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielen sollte, da sie allen  Beteiligten einen Anreiz gibt, ihren Beitrag zu leisten. Konsumenten werden angehalten, Energie effizienter zu nutzen und Erzeuger können sich darauf konzentrieren, emissionsärmere Energieträger an den Markt zu bringen.»

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