Regionales Haus der Berufsvorbereitung

Der Übergang von der Schule in Ausbildung ist für viele Hauptschüler nach wie vor schwierig.

Eine ganze Reihe von Problemen trägt dazu bei, dass dieser einst nahtlose Wechsel einer Kluft gewichen ist. Zu diesen Problemen gehören unter anderem eine unzureichende Ausbildungsreife bei den Schülern, der Mangel an Lehrstellen, die Verdrängung von Hauptschülern durch Schulabgänger anderer Schulformen und der schlechte Ruf von Hauptschülern bei Arbeitgebern. Weder die aktuelle Entspannung auf dem Arbeitsmarkt noch der anstehende demographische Wandel ändern automatisch etwas an den niedrigen, wenn nicht rückläufigen Übergangsquoten. Es bedarf eines Programms, das zwischen Hauptschule und Wirtschaft vermittelt und dadurch die Hindernisse überwindet. Ein solches Programm ist das „Regionale Haus der Berufsvorbereitung.“
Das Programm charakterisiert sich durch folgende Eigenschaften:
  • Herstellung eines regionalen Konsens, um den Übergang von Hauptschülern in betriebliche Ausbildung wesentlich zu verbessern.
  • Der regionale Konsens spiegelt sich in der Finanzierung des Programms wider: alle Akteure beteiligen sich finanziell an dem Programm – der Kreis oder die Stadt, die lokale Agentur für Arbeit, lokale Verbände und Institutionen und die lokale Wirtschaft.
  • Programmträger ist ein arbeitgebernaher Bildungsträger, der das Gesamtprogramm koordiniert und alle Akteure einbindet.
  • Einbindung anderer Bildungsträger, um den Teilnehmern jene Breite von Lernwerkstätten bzw. Ausbildungsberufen anzubieten, für die es in der Region einen Bedarf gibt.
  • Das Angebot richtet sich vorrangig an Schüler der 10. Klassen aller Hauptschulen in der Region.
  • Die Ausbildungsreife der Teilnehmer wird gefördert und nachgewiesen.
  • Die Wirtschaft verpflichtet sich, (zusätzliche) Ausbildungsplätze für die Teilnehmer anzubieten.
  • Die Teilnehmer durchlaufen mehrere berufspädagogische Module.
  • Insgesamt umfasst das Programm an die 570 Qualifizierungsstunden, die von den Teilnehmern freiwillig und zusätzlich zum Schulunterricht absolviert werden.
  • Lehrer und Eltern werden erfolgreich einbezogen und unterstützen durch ihre Mithilfe.
  • Es wird eine Übergangsquote von 80% anvisiert. Teilnehmer, die am Ende des ersten Jahres nicht in Ausbildung sind, werden nach betreut – sei es durch Nachvermittlungs- aktionen oder in Jahrespraktika.
Prinzipielle Vorteile des Programms
  • Das Programm erzeugt eine win-win-Situation: Die Schule können einem Teil ihrer Schüler eine Anschlussperspektive bieten, die Betriebe rekrutieren ausbildungsreife Jugendliche und fast alle Programmteilnehmer erhalten eine Ausbildungsstelle.
  • Die Vermittlungsgarantie von 80% bedeutet eine erhebliche Verbesserung der Übergangsquote von Hauptschülern in betriebliche Ausbildung.
  • Die Motivation unter den freiwillig teilnehmenden Jugendlichen ist sehr hoch. Insofern hat das Programm kaum Abbrüche zu vermelden.
  • Die ausbildenden Unternehmen haben einen geringeren Rekrutierungsaufwand als sonst, da es zu einer individualisierten Nachwuchsförderung und passgenauen Vermittlung kommt.
  • Durch dieses Programm wird einem Fachkräftemangel, der sich bereits in bestimmten Berufsfeldern breit macht, vorgebeugt.
  • Schwächere Schulabgänger, die Gefahr laufen, von den zunehmenden Anforderungen des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes abgehängt zu werden, finden durch das Programm Anschluss und werden ins Arbeitsleben integriert. Damit wird Jugendarbeitslosigkeit entgegengewirkt.
  • Die Berufsvorbereitung reagiert auf die Veränderungen in der Arbeitswelt und wird den Anforderungen angepasst.
  • Der regionale Konsens sorgt für eine langfristige Verankerung vor Ort.

Entstehungsgeschichte des Programms und seine Ausbreitung in NRW

Das „Regionale Haus der Berufsvorbereitung“ wurde vom Berufsbildungszentrum der IHK Siegen konzipiert. Nach zwei erfolgreichen Testdurchläufen wurde es in 2007 gestartet.  (www.bbz4you.de). Die mit finanzierenden Stiftungen Deutsche Bank Stiftung, Deutsche BP Stiftung und die Grohe Stiftung überzeugten sich von der Modellhaftigkeit des Ansatzes und regten eine Übertragung auf vier weitere Standorte in NRW an. Da sich das Siegener Modell schnell herumsprach, mangelte es nicht an Nachfrage. Innerhalb kürzester Zeit gelang es mit Unterstützung und Beratungsleistung des Berufsbildungszentrums Siegen die Standorte zu identifizieren und durch den Stiftungsverbund die Programme vor Ort zu initiieren.

Die Deutsche BP Stiftung fördert nun fünf „Häuser der Berufsvorbereitung“ mit einer Summe von 180.000,- Euro. Diese Mittel teilen sich wie nebenstehend auf.

Regionales Haus der Berufsvorbereitung im Kreis Siegen-Wittgenstein

Programmträger

  • Berufsbildungszentrum der IHK Siegen

Zielgruppe

  • Vorrangig Schüler der 10. Klassen aller 18 Hauptschulen im Kreis Siegen-Wittgenstein. Insgesamt 700 Schüler im Förderzeitraum

Fördersumme

  • 100.000,- Euro

Förderzeitraum

  • 2007/2013

Regionales Haus der Berufsvorbereitung im Kreis Solingen

Programmträger

  • IHK Lehrwerkstatt Solingen

Zielgruppe

  • Schüler der 10. Klassen aller 5 Hauptschulen in Solingen. Insgesamt 60 Schüler im Förderzeitraum

Fördersumme

  • 20.000,- Euro

Förderzeitraum

  • 2008/2014

Regionales Haus der Berufsvorbereitung im Märkischen Südwestfalen

Programmträger

  • Südwestfalische IHK zu Hagen

Zielgruppe

  • vorrangig Schüler der 10. Klassen aller Hauptschulen im IHK-Bezirk. Insgesamt 270 Schüler im Förderzeitraum

Fördersumme

  • 90.000,- Euro

Förderzeitraum

  • 2008/2014

Regionales Haus der Berufsvorbereitung in Bonn/Rhein-Sieg

Programmträger

  • Weiterbildungsgesellschaft der IHK Bonn/Rhein-Sieg

Zielgruppe

  • vorrangig Schüler der 10. Klassen aller Hauptschulen im IHK-Bezirk; Förderschüler werden von Anfang an ebenfalls mit aufgenommen. Insgesamt 330 Schüler im Förderzeitraum

Fördersumme

  • 100.000,- Euro

Förderzeitraum

  • 2008/2015

Regionales Haus der Berufsvorbereitung Herten

Programmträger

  • Stadt Herten

Zielgruppe

  • Vorrangig Schüler der 9. und 10. Klasse zweier Hauptschulen und einer Gesamtschule. Insgesamt 130 Schüler im Förderzeitraum

Fördersumme

  • 100.000,- Euro

Förderzeitraum

  • 2010 - 2014