Das nächste Kapitel der Energiewende

14. November 2017

NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart

Wolfgang Langhoff, Vorstandsvorsitzender BP Europa SE

Plenum beim BP Forum

Gesprächsrunde mit Prof. Dr. Manfred Fischedick (Vizepräsident des Wuppertal Instituts), Dr. Frank Weigand (CFO der RWE Generation SE)

Gesprächsrunde

Gesprächsrunde

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Rund 150 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft kamen zum 16. BP Forum, das zum dritten Mal in Nordrhein-Westfalen stattfand. Im Mittelpunkt der Veranstaltung in Düsseldorf stand die Energiewende und welche Auswirkungen nach der Bundestagswahl in Nordrhein-Westfalen und bei den heimischen Unternehmen zu erwarten sind.

In seiner Keynote mahnte NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart vor allem, dass die Energiewende keine gewachsenen Strukturen zerstören und die Stromkosten nicht in die Höhe treiben dürfe. Gerade NRW beheimate viele bedeutende Wertschöpfungsketten und die Unternehmen bräuchten Planungssicherheit. Er warnte davor, sich nun voreilig von etablierten Energieträgern zu verabschieden. Die Erfahrung habe gezeigt, dass man konventionelle Energieträger noch benötige, vor allem, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Diese müssten flexibel einsetzbar sein. Eine kritische Überprüfung der vorhandenen Kapazitäten sei sinnvoll, man könne jetzt aber nicht beliebig viele Kraftwerke vom Netz nehmen.

Nach kurzen Eingangsstatements diskutierten

  • Prof. Dr. Manfred Fischedick (Vizepräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie),
  • Dr. Frank Weigand (CFO der RWE Generation SE), und
  • Wolfgang Langhoff (Vorstandsvorsitzender BP Europa SE)

über die verschiedenen Herausforderungen für Politik und Wirtschaft im Rahmen der Energiewende für NRW.

Dr. Frank Weigand betonte die Bedeutung einer weitsichtigen Politik für das Energieland NRW. Dieses sei von Eingriffen in die Energieversorgung wegen des hohen Industrieanteils besonders betroffen, vor allem im Bereich Energiekosten. Hier gelte es, Strukturbrüche zu vermeiden. Die Energieversorger würden sich einem Wandel keineswegs versperren, zumal beispielsweise der Verstromung durch Braunkohle ohnehin natürliche Grenzen gesetzt seien.
Professor Fischedick forderte zwar einen Ausstieg der Braun- und Kohleverstromung. Diese müsse jedoch sukzessiv vonstatten gehen, begleitet von strukturpolitischen Maßnahmen. Dies sei eine Entwicklung, die nicht über Nacht abgeschlossen werden könnte. Das europäische Emissionszertifikate-Handelssystem lobte er als funktionierenden Mechanismus.
Wolfgang Langhoff warnte davor, aus ideologischen Gründen nicht den besten und kostengünstigsten Ansatz zu wählen. Im Zentrum müsse Technologieoffenheit stehen, neue Ansätze müssten sich am Markt bewähren. Ebenso sprach er die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Akzeptanz an. Die Mineralölbranche stelle sich der neuen Entwicklung und der Forderung nach emissionsärmerer Mobilität. Dazu müsse die Politik Rahmenbedingungen schaffen, die ökonomische und ökologische Aspekte vereinbar machen. Als Beispiel nannte er die Sektorenkopplung. Hier ist es beispielsweise sinnvoll, so Langhoff, CO2 Reduzierungen bei der Kraftstoffproduktion auch auf den Mobilitätssektor anrechenbar zu machen.
In die Podiumsdiskussion wurden immer wieder Fragen aus dem Publikum eingebunden. Vor allem die Frage, ob Deutschland international eine Vorreiterrolle einnehme, wurde kontrovers diskutiert. Dies wurde zumindest mit Blick auf die Entwicklung der CO2 Emissionen und das Reduktionsziel bis 2020 in Frage gestellt. Ein Vergleich zogen die Diskutanten mit den USA, die durch die starke Verdrängung der Kohle durch Erdgas in der Stromerzeugung ihre Emissionen deutlich senken konnten – und das ohne eine vergleichbare Regulierung wie das EEG.

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