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Historie

Mit dem Ölfund im Emsland im Jahr 1942 beginnt die Geschichte der Raffinerie. Zunächst wurde das Emslandöl mit großem Aufwand und erheblichen Kosten noch ins Ruhrgebiet oder ins Rheinland transportiert. Die an der Ölförderung beteiligten Gesellschaften (Wintershall AG und Gewerkschaft Elwerath) planten daher, eine eigene Verarbeitungsanlage in der Nähe der Fördergebiete zu errichten.

Das Jahr 1949 war mit dem Eintrag im Handelsregister Hannover 'Gewerkschaft Erdöl-Raffinerie Emsland (GEE)' die Geburtsstunde der Raffinerie. Im gleichen Jahr wurden 150 Hektar in den Gemarkungen Altenlingen/Holthausen zum Bau der Raffinerie gekauft. Die Anteilseigner der GEE waren die Wintershall AG (500 Kuxen, 50 Prozent), Gewerkschaft Elwerath (350 Kuxen, 35 Prozent) und Preussag (150 Kuxen, 15 Prozent).

Die 50er Jahre

Aufbruch und Aufbau

Von 1950 bis 1953 dauerte der Bau der Raffinerie in Holthausen. Ende 1952 hatte die Gewerkschaft Erdöl-Raffinerie Emsland (GEE) insgesamt 135 eigene Beschäftigte. 1953 konstituierte sich der erste Betriebsrat der Erdöl-Raffinerie Emsland. Im August 1953 startete die Raffinerie ihren Probebetrieb. Wegen eines Schadens an der katalytischen Crackanlage (Houdrycracker) während des Anfahrbetriebs verzögerte sich jedoch die planmäßige Verarbeitung des deutschen Rohöls bis zum Februar 1954.

Im ersten Produktionsjahr betrug der Rohöldurchsatz bereits 480.529 Tonnen. 1955 wurde in der Erdöl-Raffinerie Emsland die erste chemisch-biologische Kläranlage in einer deutschen Raffinerie in Betrieb genommen. 1958 wurde die Raffinerie an die Nord-West-Ölleitung (NWO) angeschlossen und war nun in der Lage, über Wilhelmshaven Importrohöle zu beziehen. Zur gleichen Zeit entstand mit einer Investition von rund 36 Millionen DM der Betrieb II mit einer Durchsatzkapazität von 1,5 Millionen Tonnen für die Verarbeitung der Importrohöle.

Die Gesamtkapazität der Raffinerie stieg damit auf jährlich 2,5 Millionen Tonnen Rohöl an. Ende der 50er Jahre beschäftigte die Raffinerie bereits 970 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 22 Auszubildende.

Die 60er Jahre

Die goldene Zeit

Mit dem wachsenden Angebot an deutschem Rohöl wurde auch der ältere Teil der Raffinerie, der Betrieb I, um eine weitere Destillations-, Verkokungs- und Gasrückgewinnungseinheit im Jahr 1962 vergrößert. Bis Januar 1964 mussten der Betrieb I und II streng getrennt voneinander betrieben werden, da bis zu diesem Zeitpunkt das ausländische Rohöl mit Zoll belegt war und weder die Rohöle noch die daraus hergestellten Produkte innerhalb der Raffinerieanlagen vermischt werden durften.

Nachdem der Zoll wegfiel, konnte durch den Verbund zwischen den beiden Betrieben innerhalb der Raffinerie eine wesentlich größere Flexibilität und Ausnutzung der einzelnen Anlagen erreicht werden. Der zunehmende Bedarf an petrochemischen Vorprodukten führte dazu, dass ab 1967 Erweiterungsprojekte begannen. 1968 konnte eine Benzolanlage in Betrieb genommen werden.

Die 70er Jahre

Umbruchzeit

Mit Wirkung zum 1. Januar 1970 wurde die Gewerkschaft GEE umgewandelt und ihr Vermögen zu 100 Prozent an die Wintershall AG in Kassel übertragen. Der neue Name des Ölwerks lautete 'Wintershall Aktiengesellschaft Erdöl-Raffinerie Emsland'.

Um der ständig wachsenden Nachfrage nach Superkraftstoffen besser gerecht zu werden, wurden Anfang 1971 ein dritter Reformer und im Frühjahr 1972 eine weitere Destillationseinheit mit einem Durchsatzvermögen von 1,3 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr in Betrieb genommen. Rote Bilanzzahlen machten eine Umstrukturierung der Raffinerie erforderlich. Insgesamt wurden für diese Umstrukturierung 270 Millionen DM investiert. Der Hydrocracker (HC-Anlage) mit seinen Folgeanlagen, dessen Bau 1976 begann, war das Kernstück der Raffinerie-Umstrukturierung. Er ersetzte den in die Jahre gekommenen katalytischen Houdrycracker. Um den zukünftigen Bedarf an unverbleiten Ottokraftstoffen zu decken, wurde erstmalig ein kontinuierlich regenerierender Reformer (CCR Reformer Nr. 4) gebaut

Die 80er Jahre

Sinnkrise und Neuausrichtung

1981 ging erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik der Benzinverbrauch um rund sechs Prozent zurück. Bereits Ende 1982 hatte sich die Mineralölindustrie von 25 Prozent ihrer Kapazität getrennt. Auch die Erdöl-Raffinerie Emsland erreichte kein positives Geschäftsergebnis mehr, sodass der Wintershall-Vorstand darüber nachdachte, die Rohölverarbeitung einzustellen, sich aber letztlich dagegen entschied. Die Rohölverarbeitung wurde von vier auf zwei Rohöldestillationen reduziert.

Anfang 1981 hatte man begonnen, die Tankwagenverladung weiter auszubauen, im Oktober 1982 wurde sie dann in Betrieb genommen. 1987 wurde eine neue Drehrohrofenanlage mit Rauchgasreinigung eingesetzt - ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung des Umweltschutzes.

1989 verpflichtete die Bezirksregierung Weser-Ems die Raffinerie, ihre Werkfeuerwehr als eine hauptberufliche Werkfeuerwehr nach den Vorgaben des niedersächsischen Brandschutzgesetzes zu führen.

Die 90er Jahre

Mit vereintem Einsatz zum Erfolg

1992 bekam die Raffinerie trotz der erzielten Rationalisierungserfolge die Strukturveränderungen auf dem Mineralölmarkt erneut heftig zu spüren. Die Finanzierung vieler, im Wesentlichen umweltbezogener Projekte (unter anderem Modernisierung des Kraftwerks und des Flüssiggastanklagers sowie neuer Koker und Kohlenwasserstoffrückgewinnungseinrichtungen) mit einem Investitionsvolumen von etwa 450 Millionen DM, wurde zur Existenzfrage. Die feste Verankerung der Raffinerie in der Region und damit auch bei den politischen Entscheidungsträgern zahlte sich aus: Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker aller Parteien engagierten sich mit dem Unternehmen und den Mitarbeitern für den Erhalt der Raffinerie.

Es gelang, die Umstrukturierungsmaßnahmen zu finanzieren und eine drohende Werkschließung zu verhindern. Bereits im zweiten Halbjahr 1996 und im ersten Halbjahr 1997 schrieb die Erdöl-Raffinerie Emsland wieder schwarze Zahlen.

Im Dezember 1999 wurden die Erdöl-Raffinerie Emsland und der Wintershall Mineralölvertrieb (mit den Anteilen der Wintershall AG an der Aral AG) an die Veba Oel AG verkauft. Die Mobil Oil AG in Hamburg übereignete gleichzeitig ihre Aral-Anteile an die Veba, die dadurch faktisch zum Alleineigentümer der Aral wurde.

Die 2000er Jahre

Standortsicherung und 'Refining of the future'

In 2002 erfolgte erneut ein Eigentümerwechsel. Die Deutsche BP AG, heute BP Europa SE, übernahm 100 Prozent der Veba Oel. Damit wurde die ERE zum ersten Mal in ihrer Geschichte Teil eines weltweit tätigen Mineralölkonzerns. Ein Jahr später feierte die Raffinerie – nun zur BP-Familie gehörend – ihr 50-jähriges Bestehen.

In 2006 unterzog sich die ERE erstmalig einer Gesamtrevision, bei der alle Produktionsanlagen gewartet und inspiziert wurden. Mit einem Investitionsvolumen von etwa 25 Millionen Euro konnte die Raffinerie in 2007 zwei weitere Projekte zum Schutz der Umwelt realisieren: Der Bau einer Scotanlage zur Erhöhung des Schwefelrückgewinnungsgrades auf über 99,8 Prozent sowie der Neubau eines Tanks für Biokomponenten.

Ende 2007 unterzeichnete die BP einen Vertrag mit der NAM (NEDERLANDSE AARDOLIE MAATSCHAPPIJ B.V.) zur Wiedererschließung des rund 40 Kilometer Luftlinie entfernten Rohölfeldes in Schoonebeek (Niederlande) – ein wichtiger Meilenstein zur Standortsicherung. Die Versorgung der Raffinerie mit heimischem Rohöl ist für die nächsten Jahrzehnte gesichert.

Im Dezember 2008 eröffnete BP Lingen einen integrierten Betriebskindergarten in Kooperation mit der Kindertagesstätte Trinitatis. Zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf stehen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der BP Lingen mehrere Betreuungsplätze für ihre Kinder zur Verfügung.

Die 2010er Jahre

Umfangreiche Investitionen zur Zukunftssicherung

Seit 2011 wird in mehreren Bauabschnitten an der Errichtung einer neuen Kläranlage gearbeitet. Mit der neuen Anlage wird langfristig sicher gestellt, dass die Raffinerie für Kapazitätssteigerungen sowie für steigende Anforderungen in Bezug auf Emissionsminimierung und Arbeitssicherheit gut aufgestellt ist. Die Bauabschnitte 1 (Rechenanlage, Ölseparator) und (Flotations- und Schlammentwässerungsanlage) sind abgeschlossen. Der Abschluss des 3. Bauabschnitts (Biologische Reinigungsstufe) ist für Ende 2019 geplant.

2012 fiel nach dreijähriger Vorbereitung und Planung der offizielle Startschuss für den Bau einer Zentralen Messwarte, um die vormals sechs dezentral angesiedelten Messwarten zusammenzuführen. Die Zentrale Messwarte ist ein Meilenstein in der Entwicklung der Raffinerie, denn dieser Bau sichert die Leistungsfähigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes nachhaltig. Die Investitionskosten belaufen sich auf 25 Millionen Euro.

Nach etwa 170.000 Arbeitsstunden am Bauwerk und einer mehrmonatigen Umzugsphase, die Ende 2014 abgeschlossen werden konnte, wurde die Zentrale Messwarte im Februar 2015 offiziell eingeweiht. Hier vereinen sich Spitzentechnik und zeitgemäße Ausstattung: ergonomische Arbeitsplätze, druckwellensichere Fenster und Türen sowie redundante Steuerungssysteme sorgen für ein Höchstmaß an Sicherheit.

In unmittelbarer Nähe zur Raffinerie, dem Hohenpfortenweg, unterhält BP Lingen einen Bürokomplex in modularer Bauweise. In 2008 errichtet, wurde es im Jahr 2015 erweitert, um Arbeitsplätze für weitere Mitarbeiter und Partnerfirmen bereitzuhalten. 160 Menschen arbeiten hier für BP Lingen.

Am 4. August 2015 wurde die Raffinerie zum ersten Mal in ihrer Geschichte mit Rohöl aus dem Raum Hannover Ost beliefert. BP Lingen hat damit ihren Anteil an heimischem Rohöl weiter erhöht. Mit der Abnahme dieses Rohöls verarbeitet BP Lingen nun vollständig das in Niedersachsen geförderte Rohöl.

Im September 2016 unterzeichneten BP und Uniper einen Kooperationsvertrag zur Prüfung der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit des Einsatzes der Power to Gas-Technologie am Standort Lingen.

Von April bis Juni 2017 wurde der bislang größte Stillstand in der Geschichte der Raffinerie durchgeführt. Alle Raffinerieanlagen waren für TÜV-Prüfungen und Umbauten abgestellt. Insgesamt wurde in mehr als einer Million Arbeitsstunden unter anderem die Inspektion und Wartung von 102 Kolonnen und Reaktoren, 110 Luftkühlern, 34 Öfen und 517 Wärmetauschern vorgenommen. Zudem erhielt die Rohöldestillation eine neue Kolonne.

Am Dienstag, 16. Januar 2018, wurde der symbolische Grundstein für einen neuen Gebäudekomplex der BP Lingen gelegt. Bis 2019 wird neben der Raffinerie ein Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum entstehen, das künftig die Werkstätten, Werkfeuerwehr, das Labor, die Kantine sowie die Verwaltung der BP Lingen beherbergt. Bei Abschluss aller Arbeiten des Projektes Ende 2019 werden in dem Gebäudekomplex etwa 360 BP Lingen Mitarbeiter unter einem Dach arbeiten.

Im August 2018 hat BP weltweit erstmals „grünen Wasserstoff“ zur Kraftstoffherstellung eingesetzt. In einem dreißigtägigen Demonstrationsprojekt zeigten die Ingenieure der BP Lingen, dass der Einsatz erneuerbarer Komponenten in einer Erdölraffinerie möglich ist. Der grüne Wasserstoff wurde von der Audi Industriegas GmbH in Werlte mit Hilfe der Power to Gas-Technologie unter ausschließlicher Nutzung von erneuerbaren Energien hergestellt.

Die häufigsten Fragen zum Thema Ausbildung bei BP