Der Schiffsinspektor

Klaus-Dieter Rontke geht heute das letzte Mal an Bord. Der Schiffsingenieur von Castrol Marine ist 40 Jahre lang auf hunderten Schiffen in der ganzen Welt gewesen. Freitag ist sein letzter Arbeitstag. Er hat Michael Nowak dabei. Einen jungen Kollegen, den er seit knapp einem Jahr auf die Zeit vorbereitet, wenn er in Ruhestand geht. Heute werden beide noch einmal gemeinsam an Bord eines Schiffes gehen, um das Schmieröl zu prüfen.

Industriehafen Leer. Dort liegt etwas versteckt die Jansum, ein Containerschiff, 110 Meter lang, 16 Meter breit und in der Lage bis zu 400 Container über die Weltmeere zu transportieren. "Ein eher kleines Schiff", sagt Johann Dirksen, Reederei-Direktor bei der Briese Schifffahrt, der die Jansum gehört. "Inzwischen gibt es riesige Containerschiffe, die mehr als das 40-fache laden können."

Ob groß oder klein, ob Kreuzfahrt- oder Transportschiff, das ist Klaus-Dieter Rontke völlig egal. Ihn interessiert bei jedem Schiff nur der Maschinenraum. Je nach Schiffsgröße variiert natürlich auch die Größe des Maschinenraumes. Die riesigen Containerschiffe verfügen über einen Maschinenraum, der die Dimension einer Turnhalle hat. Der Motor dort kann nur per Gerüst erreicht und inspiziert werden. Die Jansum, die Klaus-Dieter Rontke und Michael Nowak heute inspizieren werden, besitzt allerdings im Vergleich dazu einen relativ überschaubaren Motor.

Doch vorab informiert sich Klaus-Dieter Rontke bei Johann Dirksen, ob es besondere sicherheitsrelevante Dinge bei diesem Besuch gibt, die es zu beachten gilt. "Auch wenn ich die Briese-Schiffe gut kenne, Sicherheit geht bei jeder Schiffsinspektion vor", erklärt der erfahrene Schiffsingenieur. Heute gibt es keine Besonderheiten. Helm und Schutzausrüstung sind selbstverständlich. Und an Bord Treppen immer rückwärts heruntergehen und immer auf die Füße schauen. "Am Boden finden sich so viele Stolperfallen und gerade auf beengtem Raum ist die Gefahr von Stürzen groß", sagt Klaus-Dieter Rontke.

An Bord gelangen wir über eine schmale steile Gangway – nichts für Menschen mit Höhenangst, denn es geht einige Meter mit freiem Blick nach unten in das Hafenbecken aufs Schiff hinauf.

Wir haben das Deck erreicht. Und sogleich geht es erneut nach unten in den Bauch des Schiffes. Auf dem Weg in den Maschinenraum sind wieder einige schmale Treppen zu bewältigen, natürlich rückwärts. Und die Temperatur steigt merklich an. Kein einfaches Arbeiten für die Crew. Denn nicht immer liegt das Schiff an der norddeutschen Küste mit seinem gemäßigten Klima. Bevor die Jansum im Hafen von Leer vor Anker gegangen ist, fuhr sie vor der nordafrikanischen Küste. Für die Menschen unter Deck eine strapaziöse Arbeit.