Informationen zur Herstellung von Rußpellets als Nebenprodukt am Standort Scholven

Unter anderem durch die Medienberichterstattung sind Anwohner in Gelsenkirchen in Verbindung mit dem Thema Rußpellets und deren Einsatz als Brennstoff verunsichert worden. Die Ruhr Oel GmbH – BP Gelsenkirchen ist um Aufklärung bemüht und möchte Transparenz bei der Herstellung und der Zusammensetzung der Rußpellets und deren weiteren Behandlung schaffen.

Herstellung und Zusammensetzung

Die Ruhr Oel GmbH produziert seit Jahrzehnten Rußpellets zielgerichtet als Nebenprodukt oder Ersatzbrennstoff. Alle gesetzlichen Vorgaben wurden und werden dabei sowohl bei der Produktion als auch bei der weiteren Verwendung eingehalten. Entsprechend hat die Bezirksregierung Münster als Aufsichtsbehörde dem Kraftwerk Scholven eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung zum Einsatz der Rußpellets als Brennstoff erteilt.

Die Rußpellets bestehen zu etwa 87 Prozent aus Kohlenstoff, etwa zehn Prozent Wasserstoff und etwa drei Prozent Schwefel. Das Nebenprodukt enthält auch Schwermetalle wie Nickel und Vanadium. Der Gehalt an Schwermetallen ist abhängig von den in der Raffinerie eingesetzten Rohölen und der Anlagenfahrweise. Der Heizwert der Rußpellets ist sehr hoch und liegt bei etwa 40 Megajoule pro Kilogramm. Das heißt der Heizwert der Rußpellets ist deutlich höher als der Heizwert von Steinkohle.

Funktion der Schwerölvergasung

Die Produktion erfolgt in der Schwerölvergasung. Die Schwerölvergasung ist ein wichtiger Teil im gesamten Raffinerieverbund. Sie sorgt dafür, dass die gesamte Menge an Rohöl, die in der Raffinerie zum Einsatz kommt, rückstandsfrei verarbeitet wird. Die Schwerölvergasung ermöglicht eine effiziente Weiterverarbeitung von flüssigen, aber sehr zähen Kohlenwasserstoffen. Durch eine maßgeschneiderte Sauerstoffversorgung, auch partielle Oxidation genannt, werden neben Synthesegas, Heizgas und einem Einsatzstoff für die Rückgewinnung von Wasserstoff auch Rußpellets (Rußgranulat) zielgerichtet hergestellt.

Das in der Anlage angewendete Verfahren verarbeitet Produktbestandteile, die bei der Kraftstoffherstellung übrig bleiben und produziert daraus Methanol sowie große Mengen Wasserstoff. Der Wasserstoff wird dann beispielsweise für die Entschwefelung von Kraftstoffen genutzt. Dies steigert unter anderem die Umweltverträglichkeit. Durch den Verarbeitungsprozess wird ebenfalls Ruß gebildet, aus dem in einem weiteren Verarbeitungsschritt durch Zugabe eines Pelletisierungsöls die Rußpellets entstehen.

Zur Sicherstellung einer gleichbleibenden Qualität der Rußpellets finden durch das zertifizierte und für Mineralölprodukte akkreditierte Labor der Ruhr Oel GmbH täglich Analysen statt. Mittels einer sogenannten Röntgenfluoreszenzanalyse wird der Wert von Nickel- und Vanadiumanteilen gemessen. Dabei orientiert sich die Ruhr Oel GmbH – rein vorsichtshalber – an Schwellenwerten, die unterhalb der genehmigten Höchstwerte für das Kraftwerk liegen. Die Schwellenwerte betragen:

  • Nickel: kleiner 1.500 Milligramm pro Kilogramm
  • Vanadium: kleiner 4.500 Milligramm pro Kilogramm

Hingegen betragen die genehmigten Grenzwerte für das Kraftwerk Scholven für Nickel 1.600 Milligramm pro Kilogramm und für Vanadium 5.000 Milligramm pro Kilogramm.

So wird sichergestellt, dass nur solche Rußpellets an das benachbarte Kraftwerk geliefert werden, die den mit dem Kraftwerksbetreiber vereinbarten und sich aus der spezifischen Kraftwerksgenehmigung ergebenen Parametern entsprechen.

Die Ergebnisse der Analysen werden sowohl dem Kraftwerksbetreiber als auch der Überwachungsbehörde zur Verfügung gestellt. Zudem veröffentlicht die Ruhr Oel GmbH die Analyseergebnisse auf dieser Webseite, sodass auch Anwohner und anderweitig Interessierte diese Berichte einsehen können.

Labor: Kompetent und unabhängig

Das Labor am Standort Gelsenkirchen-Scholven wird im Rahmen der Zertifizierungen regelmäßig von der deutschen, staatlich beauftragten Akkredisierungsstelle (DAkkS) überprüft. Mit der Akkreditierung bestätigt die DAkkS, dass unser Labor seine Aufgaben fachkundig und nach geltenden Anforderungen erfüllt. Um eine Akkreditierung zu erhalten, ist es unter anderem notwendig, dass das Labor seine Unabhängigkeit regelmäßig nachweist. Das Zertifikat über die Erfüllung des Standards DIN EN ISO/IEC 17025:2005 zur Prüfung von chemischen und physikalischen Untersuchungen von Mineralöl und verwandten Erzeugnissen, beispielsweise Diesel- oder Ottokraftstoffe, wurde erst kürzlich bis November 2019 verlängert.

Im Dialog

Transparenz und Aufklärung sind für die Ruhr Oel GmbH wichtig und selbstverständlich. Auf dieser Webseite veröffentlichen wir ausführliche Hintergrundinformationen zu den Rußpellets. Hier werden seit Anfang Dezember 2018 auch die aktuellen Analysergebnisse der Rußpellets veröffentlicht. Weiterhin hat die Ruhr Oel GmbH eine Dialogoffensive begonnen, in deren Rahmen das Unternehmen Politik und Nachbarn für Gespräche und Raffineriebesuche zur Verfügung steht.

Unsere Zertifizierungsunterlagen (als Download)

Fazit

Durch eine intensive und akkreditierte Qualitätsüberwachung stellen wir sicher, dass die gesetzlichen und genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen für die Verbrennung von Rußpellets in dem Kohlekraftwerk sichergestellt sind. Dadurch halten wir alle Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetzes ein.