Kraftstoffe mit „Hochglanz“-Effekt

Was moderne Motoren angeht, schläft die Automobilindustrie nicht. Die Weiterentwicklung setzt auf fortlaufende Effizienzsteigerung.

Für die Mitarbeiter der BP/Aral Kraftstoff-Forschung resultiert daraus die Herausforderung, ihre Produkte den neuen Anforderungen laufend anzupassen. Ein Meilenstein dabei: die Aral Anti-Schmutz-Formel.

Norbert Neumann ist Teil des Entwicklerteams im Forschungszentrum in Bochum. Im Interview erklärt er, was mit „reinigen“ eigentlich gemeint ist, warum Kraftstoff- und Motorenentwicklung Hand in Hand gehen und welche Rolle sein Team dabei spielt.

Warum ist es notwendig, Kraftstoffe stetig weiterzuentwickeln?

Die allgemeine Annahme lautet, man füllt Kraftstoff ins Auto, es fährt und das war es. Jedes Auto hat jedoch individuelle Ansprüche. Heute sind Motoren darauf ausgelegt, immer effizienter und leistungsstärker zu werden. Mit dem sogenannten „Downsizing“ werden großvolumige Motoren immer kleiner und bringen trotzdem beeindruckende Leistung. Das bedeutet aber auch einen hohen Betriebsdruck und höhere Anforderungen an den Kraftstoff.

Aral Kraftstoffe haben jetzt die „Anti-Schmutz-Formel“. Wie funktioniert sie?

Die Anti-Schmutzformel charakterisieren zwei Wirkungsprinzipien: bestehende Ablagerungen aufzulösen und neue Ablagerungen zu verhindern.  Dem Autofahrer wird die Leistungs-minderung zunächst gar nicht auffallen, aber irgendwann können die Motoren die gewohnte Leistungsausbeute nicht mehr erzielen.

Die Kraftstoffe mit Anti-Schmutzformel haben aber nicht nur eine Reinigungswirkung, sondern sorgen auch für die fachgerechte und schadstofffreie Entsorgung der Ablagerungen, das heißt, sie werden rückstandsfrei verbrannt. Gleichzeitig sorgen sie auch dafür, dass sich keine Rückstände mehr ablagern.

Wie ist die neue Formel entstanden? Wie war die Forschung in Bochum beteiligt?

Wir beobachten, wie sich der Motorenbau über die Zeit verändert und welche Ansprüche das mit sich bringt. Die Antworten erarbeiten wir im Austausch mit der Automobilindustrie. Und auch vom Kunden erhalten wir Rückmeldungen, anhand derer wir unsere Produkte weiterentwickeln.

Die BP/Aral Forschung in Bochum ist die zentrale Teststelle für Fahrzeuge und Kraftstoffe. Wir arbeiten hier mit 100 Technikern und Wissenschaftlern an verschiedensten Wirkstoffen und testen diese. An der Entwicklung der Anti-Schmutz-Formel haben multifunktionale Teams aus vielen Bereichen mitgewirkt. Dazu gehörten chemische Analyseverfahren, motoren- und tankstellentechnische Tests. Darüber hinaus mussten auch die gesetzlichen Normen und Anforderungen erfüllt werden. Es ist ein sehr dynamisches Umfeld und deshalb unheimlich spannend.

Und Ihre Rolle?

Ich übernehme das Produkt aus der Entwicklung und bringe es sicher in den europäischen Markt. Das bedeutet, ich prüfe, ob es in den jeweiligen nationalen und internationalen Märkten das bringt, was von ihm erwartet wird. Dazu gehört auch die Abstimmung mit den USA, Australien und der Zentrale in England. Bei BP wird wortwörtlich rund um die Uhr geforscht. Da müssen auch mal Zeitzonen überbrückt werden. Das ist aber mit den heutigen Möglichkeiten zum Datenaustausch kein Problem.

Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung?

Aus meiner persönlichen Sicht würde ich sagen: ein globales Produkt zu entwickeln, das in den einzelnen Märkten bestehen kann. Märkte und Wettbewerber verändern sich permanent. Wir müssen da mitgehen und das ist uns gut gelungen.

Und wie lange hat es gedauert bis der Kraftstoff mit der neuen Formel an die Tankstellen kam?

Das Projekt Anti-Schmutzformel hatte eine Laufzeit von fünf Jahren – von der Idee über die Recherche bis zur Lösungsfindung. Es ist ein kommerzielles Produkt und als solches braucht es viele Entwicklungsstufen und Tests. Welchen Gesetzen unterliegt der jeweilige Markt? Verträgt sich das Produkt mit den Materialien mit denen es in Kontakt kommt? Darüber hinaus testen wir auch die Querverträglichkeit mit Kraftstoffen anderer Anbieter.

Stichwort Wettbewerber: Gibt es bei denen schon eine ähnliche Formel?

Wettbewerb macht kreativ, aber unser Produkt ist bisher einzigartig. Wir haben mit viel Sorgfalt gearbeitet und kritisch beobachtet. Es gab eine externe TÜV-Prüfung, was ein einmaliger und toller Schritt ist. Der Wettbewerb schläft bekanntlich nicht – er arbeitet sicherlich bereits an dem Thema.

Gibt es bereits Überlegungen zu neuen Produkten?

Selbstverständlich, das ist das Schöne an der Produktentwicklung. Die Handhabung von Emissionen ist weiterhin ein gefragtes Thema. Wir untersuchen neue Wege und Sparten in der Mobilität – beispielsweise den Elektro-Antrieb, Biokraftstoffe aus Abfällen für Luftfahrt und Straßenverkehr bis hin zu synthetischen Kraftstoffen. BP und Aral haben eine lange Entwicklungsgeschichte und arbeiten seit vielen Jahren gemeinsam mit der Automobilin-dustrie sowie der öffentlichen Hand. Es gibt viele zukunftsträchtige Ansätze, die auch zu bewältigen sind.