BP und Uniper wollen 'grünen Wasserstoff' für die Herstellung von Kraftstoffen nutzbar machen

Kooperationsvertrag sieht Prüfung der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit des Einsatzes der Power to Gas-Technologie am Raffineriestandort Lingen vor.

Datum der Veröffentlichung: 06. Oktober 2016

Uniper und BP wollen gemeinsam Möglichkeiten zur Nutzung der Power to Gas-Technologie für den Raffinerieprozess prüfen und entwickeln. Dazu haben die beiden Unternehmen einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Beide Partner wollen die technische und wirtschaftliche Machbarkeit einer Power to Gas-Anlage am BP Standort in Lingen prüfen und sich für eine erforderliche Anpassung rechtlicher Rahmenbedingungen einsetzen.

Mittels der Power to Gas-Technologie kann aus erneuerbarer Energie erzeugter Strom genutzt werden, um Wasser durch Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen. So produzierter erneuerbarer Wasserstoff kann auf verschiedene Weise verwendet werden. Beispielsweise betreibt Uniper im brandenburgischen Falkenhagen und in Hamburg bereits zwei derartige Anlagen, in denen unterschiedliche Elektrolyseverfahren angewandt werden. Der dort erzeugte Wasserstoff wird jeweils in das Erdgasnetz vor Ort eingespeist.

Grundsätzlich ist die Power to Gas-Technologie auch dazu geeignet, den für die Produktionsprozesse in einer Raffinerie benötigen Wasserstoff aus grünem Strom zu erzeugen. Bislang wird dieser Wasserstoff, der in der Raffinerie unter anderem zur Entschwefelung von Dieselkraftstoff genutzt wird, aus fossilen Quellen produziert. Die Nutzung von Power to Gas in einer Raffinerie unterstützt gleich vier Leitprinzipien der Energiewende.

  • Energieeffizienz: Die erneuerbaren Energien werden in die Industrieproduktion integriert. Dadurch entfallen Effizienzverluste, die sonst in einer Wiederverstromung mit Wasserstoff anfallen.
  • Geringere Emissionen: Mit Hilfe von Power to Gas können über 90 Prozent der beim herkömmlichen Verfahren zur Produktion von Wasserstoff entstehenden Treibhausgase in der Raffinerie vermieden werden.
  • Sektorkopplung: Es wird eine Brücke vom Strommarkt in den Verkehr geschlagen, indem umweltfreundlichere Kraftstoffe unter Einbau von Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen hergestellt werden.
  • Stromspeicherung: Power to Gas im Raffineriebereich ist ein innovativer Schritt in Richtung großvolumige Stromspeicherung.

Dass die Power to Gas-Technologie von politischer Seite als wichtiger Baustein der Energiewende gesehen wird, zeigt die explizite Erwähnung in dem kürzlich vorgestellten Grünbuch des Bundeswirtschaftsministeriums zur Energieeffizienz, zu dem ein bis 31. Oktober 2016 laufender Konsultationsprozess gestartet wurde.

Trotz dieser ökologischen Vorteile wird ein derartiger Einsatz von Power to Gas bislang in den rechtlichen Rahmenbedingungen nicht angemessen als wirkungsvoller Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz anerkannt. Dabei geht es um die Anrechnung der so erzielbaren Treibhausgasminderung auf die Biokraftstoffquote. Durch die Nutzung von Power to Gas im Raffinerieprozess wird der Anteil erneuerbarer Energie, der in die Benzin- und Dieselkraftstoffproduktion eingeht, erhöht. Der damit verbundene ökologische Vorteil sollte daher auf die Biokraftstoffquote angerechnet werden. Dies hätte darüber hinaus weitere Vorteile: Im Vergleich zu einer Steigerung des Bio-Anteils in Kraftstoffen wird eine Konkurrenz mit der Lebens- und Futtermittelproduktion vermieden. Ferner sind auf der Verbrauchsseite keine Anpassungen der Kraftstoffinfrastruktur oder der Fahrzeugmotoren notwendig.

„Wir verfügen bereits über einige Jahre Erfahrung mit der innovativen und flexiblen Power to Gas-Technologie. Sie kann nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Integration erneuerbarer Energie in das Stromversorgungssystem leisten. Aus regenerativer Energie erzeugter Wasserstoff kann beispielsweise auch in industriellen Prozessen wie der Kraftstoffproduktion bei BP konventionellen Wasserstoff ersetzen und so zur Vermeidung von Treibhausgasen beitragen“, sagte Eckhardt Rümmler, der als Chief Operating Officer bei Uniper unter anderem für Innovationsthemen verantwortlich ist.

„Gemeinsam mit Uniper wollen wir ein Power to Gas-Projekt an unserem Raffineriestandort Lingen entwickeln. Dazu müssen allerdings bald die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine wirtschaftliche Nutzung von regenerativ erzeugtem Wasserstoff im Raffinerieprozess geschaffen werden. Durch eine erfolgreiche Umsetzung würden wir einen signifikanten Beitrag zum Gelingen der Energiewende im Industriesektor leisten“, erläutert Peter Brömse, Geschäftsführer der BP Lingen und Leiter des Raffineriestandorts.

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