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TalentAward Ruhr würdigt Vorbilder für erfolgreiche Nachwuchsförderung

Datum der Veröffentlichung:
11. November 2021

TalentMetropole Ruhr zeichnet PreisträgerInnen 2020 und 2021 aus

Wer sich gesellschaftlich einsetzt, verdient Anerkennung: Die TalentMetropole Ruhr hat am Donnerstag, den 11. November 2021, fünf PreisträgerInnen mit dem TalentAward Ruhr ausgezeichnet.

 

Seit 2013 prämiert der TalentAward Menschen, die sich besonders engagiert und innovativ für die Aus- und Weiterbildung des Nachwuchses im Ruhrgebiet einsetzen. Im letzten Jahr musste die Preisverleihung Corona-bedingt ausfallen; deshalb wurden bei der diesjährigen Preisverleihung vier Vorbilder nachträglich für das Jahr 2020 ausgezeichnet. Für das Jahr 2021 erhielt ein weiteres Projekt-Team einen Sonderpreis für herausragende Talentförderung während der Coronakrise.

 

Der Preis ist mit einer Fördersumme von insgesamt 25.000 Euro dotiert. Die Verleihung fand unter Einhaltung aller Coronaschutzmaßnahmen mit 100 Gästen im thyssenkrupp-Quartier statt und wurde zudem erstmalig live gestreamt.

 

„Der TalentAward Ruhr ist bundesweit der einzige Preis, der sich ausdrücklich an Talentfördernde richtet – also an Menschen, die Stärken bei Kindern und Jugendlichen ganz gezielt unterstützen und sie fördern. Er zeigt, dass wir in dieser Region eine einzigartige Infrastruktur für BildungsaufsteigerInnen geschaffen haben,“ sagt Dr. Britta L. Schröder, Geschäftsführerin der TalentMetropole Ruhr.

 

Das sind die PreisträgerInnen des TalendAwards Ruhr:

Betül Durmaz aus Essen: Die ehemalige Schulleiterin der Grundschule Nordviertel in Essen entwickelte einkooperatives Sprachbildungskonzept, mit dem sie gemeinsam mit externen PartnerInnen zugewanderte SchülerInnen intensiv fördert und integriert.

 

Ruzbeh Nagafi aus Bochum: Er rief die „Digitalfabrik Ruhr“ ins Leben. Hier bietet er mit seinem Team innovative IT- und Medienkompetenz-Workshops für SchülerInnen und Studierende an.

 

Karina Wrona, Beate Rafalski und Clara Meyer zu Altenschildesche aus Gelsenkirchen: Sie begeistern mit dem Projekt „Heldenpass“ junge SchülerInnen ab der 9. Klasse für das Ehrenamt und eröffnen Horizonte innerhalb der Stadtgesellschaft. Die Angestellten der Ehrenamtsagentur werben dabei in Schulen für unterschiedliche Engagements, die der Heldenpass anbietet.

 

Das Team des TalenteNetzwerkTreffen aus Bochum: Unter der Regie eines achtköpfigen Organisationsteams helfen sich etwa 200 Studierende der Ruhr-Universität Bochum gegenseitig. Insbesondere neue Studierende sollen beim Start an der Universität unterstützt werden. Das Team nimmt ihnen Ängste und hilft, wichtige Kontakte zu knüpfen.

 

Das sind die PreisträgerInnen des TalendAwards Ruhr- Sonderpreises 2021:

Filip Dimovski, Freya Erdmann und Solveig Erdmann: Sie engagieren sich im Projekt Homeschooling@Bunker in Dortmund. Das dreiköpfige Team unterstützt ehrenamtlich SchülerInnen während des Homeschoolings und danach bei schulischen Herausforderungen. Die Jugendlichen sind nur wenig älter als die geförderten SchülerInnen – damit sind sie ganz besonders authentische Vorbilder.


„Die RAG-Stiftung ist schon seit 2017 Hauptförderer der TalentMetropole Ruhr. Auch, weil es beim Thema Chancengerechtigkeit im Ruhrgebiet nach wie vor großen Handlungsbedarf gibt. Dabei gibt es hier viele Talente, die nur erkannt und gefördert werden müssen. Der TalentAward Ruhr zeichnet die Menschen aus, die sich in besonderer Weise für die Talentförderung in unserer Region einsetzen. Die Preisträgerinnen und Preisträger machen Mut, vermitteln Zuversicht und dienen dabei oft selbst als Vorbild. Dank ihres Engagements werden viele Talente auf ihrem Bildungs- und Berufsweg gestärkt,“ sagt Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Mitglied des Vorstands der RAG-Stiftung und Bildungsbeauftragte des Initiativkreises Ruhr.

 

Die weiteren Laudatorinnen und Laudatoren waren: Markus Bangen, Vorsitzender des Vorstands Duisburger Hafen AG, Wolfgang Langhoff, Vorsitzender des Vorstands BP Europa SE, Thomas Wessel, Mitglied des Vorstands Evonik Industries AG, und Dr. Britta L. Schröder, Geschäftsführerin TalentMetropole Ruhr.

 

Portraits der PreisträgerInnen des TalentAward Ruhr 2020/2021

Besondere Förderung für geflüchtete Kinder – das Sprachbildungskonzept, Betül Durmaz

„Sprache ist der Schlüssel zur Integration“, sagt Betül Durmaz. Diese Überzeugung hat sich die heute 53-Jährige in ihrer Zeit als Leiterin der Grundschule Nordviertel in Essen zur Maxime gemacht und ein Sprachbildungskonzept entwickelt. Damit wurden „Seiteneinsteiger-Kinder“ gefördert – Kinder also, die nach Deutschland geflüchtet sind und fortan hier zur Schule gehen sollen. „Es kamen täglich neue Kinder zu uns“, erzählt Durmaz, die insgesamt sechs Jahre die Schulleitung der Grundschule Nordviertel in Essen innehatte.Durmaz füllte damit eine lange offene Lücke – war die Position zuvor doch in Ermangelung von KandidatInnen mehrere Jahre unbesetzt. Viele der Kinder, die Durmaz in dieser Zeit unter ihre Fittiche nahm, konnten kein Deutsch – manche hatten auch noch gar nicht Lesen und Schreiben gelernt. Und sie alle wollte Betül Durmaz so fördern, dass sie möglichst schnell am Unterricht teilhaben konnten. Zusammen mit dem Kollegium und PartnerInnenn von der Universität Duisburg-Essen entwickelte sie deshalb Kriterien, um den Lernstand der Kinder zu ermitteln. Außerdem bekamen sie zusätzlichen Deutschunterricht – bis zu zehn Stunden wöchentlich außerhalb des Klassenverbandes. „Das ist richtig gut“, erklärt Durmaz. Das Konzept enthält auch Angebote, die Sprache mit Sport und Bewegung verbinden. Um ihr Ziel zu erreichen, geht Durmaz gern neue Wege. Offen sein im Kopf und im Herzen – das ist ihr wichtig. Nach ihrem Abitur reiste sie zunächst zehn Jahre als Stewardess um die Welt, bevor sie sich für ein Lehramtsstudium entschied. Heute leitet sie eine Grundschule in Kleve. Die Voraussetzungen sind hier andere als in Essen. Darauf will Durmaz ihr Sprachbildungskonzept nun anpassen.

 

Bildung kreativ denken, Wissen digital umsetzen: Ruzbeh Nagafi

Begeisterung wecken für Informatik – das ist die Mission von Ruzbeh Nagafi. Der 31-Jährige hat die „Digitalfabrik“ ins Leben gerufen und an verschiedenen Schulen in Bochum Arbeitsgemeinschaften angeboten zu Themen wie Cyber- Sicherheit und Medienkompetenz. Was als AG startete, wurde mit dem Corona-Lockdown zu einem handfesten Online-Angebot. In der Digitalfabrik, die inzwischen Zulauf aus dem ganzen Ruhrgebiet hat, werden Workshops zu einem breiten Spektrum an Themen aus der Welt der Informatik angeboten. „Es ist ein Rundumschlag“, sagt Nagafi dazu. Er animiert stets Menschen, die schon mit beiden Beinen im Berufsleben stehen, bei den Veranstaltungen mitzumachen ihr Wissen an SchülerInnen und Studierende weiterzugeben. Praxisnah und alltagstauglich. So möchte er dazu beitragen, den Fachkräftemangel in der IT zu mildern. Sein „Lieblingsbeispiel“ dafür ist ein Oberstufenschüler, der bei Nagafi einen Programmierkurs besuchte. Bis dato mit Informatik nichts am Hut, merkte der junge Mann schnell, dass das genau sein Ding ist. Heute studiert er Informatik. Es sind solche Geschichten, die Nagafi antreiben. Er organisiert, koordiniert, kommuniziert und netzwerkt für seine Digitalfabrik. Das alles macht der hauptberufliche Studienkoordinator und Talentförderer abends und am Wochenende.

 

Jugendliche für das Ehrenamt begeistern – Helden von morgen finden

Team Heldenpass: Karina Wrona, Beate Rafalski und Clara Meyer zur Altenschildesche „Jede Generation muss gesellschaftliche Teilhabe und soziale Verantwortung neu lernen. Deshalb ist es wichtig, dass Menschen schon in jungen Jahren ehrenamtliches Engagement entdecken“, meint Karina Wrona, 62. Damit dies öfter gelingt, entwickelte die langjährige Vorsitzende der Ehrenamtsagentur Gelsenkirchen den Heldenpass. Die Idee dahinter: SchülerInnen ab Klasse 9 erhalten zu Beginn eines Schuljahres eine Broschüre mit unterschiedlichen Angeboten für ehrenamtliche Tätigkeiten außerhalb der Schulzeit: Zum Beispiel im Tierheim mit anpacken, Menschen mit Behinderung bei einem Ausflug begleiten, sich bei der Tafel engagieren oder bei Veranstaltungen wie einem Weihnachtsmarkt mitmachen. Wer mindestens fünf solcher Engagements von jeweils wenigen Stunden absolviert, erhält ein Ehrenamtszertifikat. Diese Bescheinigung ist mehr als nur ein Dankeschön. Sie kann auch später auf dem beruflichen Weg von Nutzen sein. Schließlich suchen ArbeitgeberInnen nicht nur MitarbeiterInnen mit guten Noten, sondern auch mit Persönlichkeit und sozialem Engagement. Beate Rafalski, 63, Geschäftsführerin der Ehrenamtsagentur, und Honorarkraft Clara Meyer zu Altenschildesche, 24, stemmen die operative Arbeit: Sie suchen Schulen, die mitmachen und werben bei Organisationen, ehrenamtliches Engagement auch für wenige Stunden möglich zu machen. Im Schuljahr 2021/22 sind fünf Schulen dabei, drei Gymnasien sowie eine Gesamt- und eine Realschule. Irgendwann, so wünscht sich Beate Rafalski, soll der Heldenpass in allen Gelsenkirchener Schulen in der 9. Klasse zum Standardangebot gehören.

 

Talente für Talente – Gemeinsam Zukunft gestalten

Team TalenteNetzwerkTreffen

Wie wichtig es ist, sich mit anderen auszutauschen und über ein Netzwerk zu verfügen, erlebte Yazgi Yilmaz, 24, bereits in ihrer Schulzeit. Als Seiteneinsteigerin auf einem Gymnasium profitierte sie von der Unterstützung eines Talentscouts. Er lotste die Oberstufenschülerin bis zum Abitur, zeigte früh Bildungsalternativen auf und vermittelte Kontakte zur Ruhr-Universität Bochum (RUB). Als Yazgi Yilmaz vor Beginn ihres ersten Semesters an der RUB im Herbst 2017 mit anderen Talenten überlegte, wie sie sich mit ihren Talentscouts und vor allem miteinander vernetzen könnten, entstand die Idee, das TalenteNetzwerkTreffen (TNT) zu gründen. Dessen Motto lautet: Talente für Talente – Gemeinsam sind wir stark. Aktuell unterstützen sich unter der Regie eines achtköpfigen Organisationsteams etwa 200 Studierende der RUB. Sie heißen neue Talente willkommen, greifen SchülerInnen aus dem Talentscouting als TalentbotschafterInnen unter die Arme und organisieren politische Diskussionen sowie Bildungsreisen. Inzwischen ist das TNT nicht nur ein wichtiger Baustein der Talentförderung an der RUB. Die Initiative hat sich auch zu einem Impulsgeber für Talente aller nordrhein-westfälischen Talentscouting-Hochschulen entwickelt. Yazgi Yilmaz, die in Kürze ihr Bachelor-Studium für Englisch und Geschichte abschließt, gehört zu den Gründungsmitgliedern des TNT und ist eine der wichtigsten InitiatorInnen. Als Master- Studentin möchte sie daran mitwirken, die Netzwerk- Aktivitäten der NRW-Hochschulen zu verknüpfen. Und sie möchte sich als Talentscout ausbilden lassen. Damit schließt sich der Kreis im bestmöglichen Sinne: vom Talent über die Talentförderin hin zum zertifizierten Scout.

 

Verständnis entwickeln, Verantwortung übernehmen, Vorbild sein

Filip Dimovski, Freya Erdmann, Solveig Erdmann

Homeschooling während der Corona-Pandemie war für viele SchülerInnen kaum zu bewältigen. Es fehlte an technischer Ausstattung oder die Kinder kamen schlicht nicht damit zurecht, sich den Unterrichtsstoff selbst zu erarbeiten. Das rief drei Jugendliche aus Dortmund auf den Plan. Auch ihnen fiel das Lernen von Zuhause nicht immer leicht. Ihnen war nach eigener Aussage schnell bewusst, dass vor allem Jüngere und Schwächere dann noch größere Probleme haben würden. Deshalb organisierten sie in der AWO- Einrichtung „Bunker“ in Dortmund Lernförderung für SchülerInnen. Das Angebot mit dem Namen „Homeschooling@bunker“ sprach sich herum, und es kamen immer mehr Kinder, um sich helfen zu lassen. Der heute siebzehnjährigen Solveig Erdmann ist eine Drittklässlerin besonders in Erinnerung geblieben. „Die Schülerin hatte Probleme, ihre Matheaufgaben zu lösen. Es ging um geometrische Formen. So etwas kann man halt auch nicht gut online vermitteln“, sagt sie. Deshalb erklärte Solveig der Jüngeren Schritt für Schritt, wie sich die Aufgaben lösen ließen. Das hat geholfen – so dass selbst Pyramidenberechnungen am Ende kein Problem mehr waren. Auch Solveigs jüngere Schwester Freya hat ein Lieblingsbeispiel aus der Zeit. „Einer ‚meiner‘ Schüler konnte sich motivieren, die Aufgaben anzugehen“, erzählt sie. „Nachdem ich über Monate zweimal die Woche mit ihm geübt habe, war er dann Klassenbester!“ Filip Dimovski, der Dritte im Bunde, ist überzeugt, dass neben den konkreten Tipps für einzelne Fächer vielen der SchülerInnen geholfen hat, auch zu Zeiten des Lockdowns mindestens einen festen Termin zu haben. „Die Kinder haben ihre Routine vermisst. Unsere Stunden haben ihnen diese Orientierung gegeben“, sagt er. Für ihren Einsatz während der Schulschließungen haben die drei viel Lob und Dank erhalten. Ihr Angebot wollen sie auch bei dem inzwischen wieder üblichen Präsenzunterricht beibehalten – und es sogar noch um gemeinsame Aktivitäten erweitern, wenn auch das wieder möglich ist.

 

Die TalentMetropole Ruhr – 53 Städte, 53.000 Möglichkeiten

Das Ruhrgebiet hat ein enormes Potenzial an jungen Menschen mit verborgenen Talenten. Sie zu finden und zu fördern ist die Aufgabe der TalentMetropole Ruhr. Unter dem Dach der Stiftung TalentMetropole Ruhr begleiten aufeinander aufbauende Bildungsprojekte engagierte junge Menschen dabei, ihre Begabungen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft bestmöglich zu entwickeln. Sie nimmt diejenigen in den Blick, die noch keinen optimalen Zugang zu Bildung haben. Neben ihren eigenen Projekten unterstützt die TalentMetropole Ruhr weitere innovative Angebote der Talentförderung. Dazu arbeitet sie mit mehr als 300 Partnern zusammen – Unternehmen, Verbänden, Kammern, Hochschulen, Schulen, Vereinen, Initiativen und vielen mehr. Sie zeigt Bildungschancen auf, macht Vorbilder sichtbar und fördert Kooperation und Austausch. Die Stiftung TalentMetropole Ruhr ist eine gemeinnützige Tochtergesellschaft der Initiativkreis Ruhr GmbH. Weitere Informationen unter www.talentmetropoleruhr.de

 

Pressekontakt:

Marie Beierling

 

Tel: 0209 155150-18

Mobil: 0151 57818007

beierling@talentmetropoleruhr.de