Zukunft der Energie: Sieben zentrale Trends

Für den BP Energy Outlook analysiert das Team um BP Chefvolkswirt Spencer Dale riesige Datenmengen, um prognostizieren zu können, in welche Richtung sich die globalen Energiemärkte in den kommenden 20 Jahren entwickeln. Spencer Dale zu den wichtigsten Entwicklungen und Trends:

1. Wachstumstreiber Konjunktur: Energienachfrage wird weiterhin steigen…

„Die Energienachfrage wird in den kommenden 20 Jahren weiter steigen, hauptsächlich getrieben durch eine wachsende Weltwirtschaft. Denn für eine höhere Wirtschaftsaktivität wird mehr Energie benötigt. Eine verbesserte Energieeffizienz wird voraussichtlich einen gewissen Anteil des Nachfragewachstums auffangen. Es ist allerdings schwierig vorherzusagen, wie schnell das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigen wird. Aber selbst wenn die Weltwirtschaft viel langsamer wächst als prognostiziert, werden wir dennoch eine stetige und substanzielle Erhöhung der Energienachfrage verzeichnen.“

2. Wachwechsel: Der Energiemix wird sich ändern…

„Wir sehen eine starke Wachstumsrate bei Erdgas und gleichzeitig sehr schnelle Steigerungsraten bei den erneuerbaren Energieträgern, insbesondere bei der Solar- und Windenergie, während sich der Wachstumsanstieg bei der Kohle stark verlangsamt. Damit ergibt sich eine signifikante Veränderung des Energiemixes.“

3. Zeit zu handeln: Das Wachstum der durch Energie erzeugten CO2-Emissionen wird sich verlangsamen…

„Wir gehen davon aus, dass der Anstieg der CO2-Emissionen in den kommenden zwanzig Jahren deutlich verringern wird. Er wird weniger als die Hälfte des Durchschnitts der vergangenen 20 Jahren betragen. Dieser Wert spiegelt zwei Faktoren wider: Schnellere Verbesserungen der Energieeffizienz und eine Verlagerung auf emissionsärmere Energieträger. Die Prognosen mit der größten Wahrscheinlichkeit gehen dennoch von einer Erhöhung der CO2-Emissionen aus, und machen damit deutlich, dass weiteres politisches Handeln erforderlich ist.“

4. Blick Richtung Osten: Sich wandelnde Anforderungen an die Energiebedürfnisse in China werden das Gesamtbild verändern…

„Als das Land mit dem weltweit größten Energieverbrauch verfügt China über einen enormen Einfluss auf die Weltenergiemärkte. Die Energiebedürfnisse des Landes verändern sich jedoch vor dem Hintergrund einer Neuordnung der chinesischen Wirtschaft. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt hier in den zurückliegenden 15 Jahren jährlich um ca. 10% gestiegen ist, wird es in den kommenden 20 Jahren wohl um durchschnittlich 5% wachsen – damit verringert sich das Wachstum in der Energienachfrage um den Faktor vier.“

Welche Veränderungen werden sich in China wahrscheinlich ergeben?

  • Geändertes Konsumverhalten: langsameres Wirtschaftswachstum führt zu weniger Wachstum bei der Energienachfrage
  • Neuordnung der Wirtschaft: Umstellung von energieintensiven Wirtschaftssektoren, wie z.B. der fertigenden Industrie auf mehr dienstleistungsorientierte, weniger energieintensive Branchen
  • Ein veränderter Energiemix: rückläufige Abhängigkeit von der Kohle bei gleichzeitigem starken Wachstum bei erneuerbaren Energien, Nuklearenergie und Erdgas

5. Kurs voraus: Wachstumsraten bei Öl und Gas werden wahrscheinlich denen der zurückliegenden zwei Jahrzehnte entsprechen…

„Fossile Energieträger werden die dominante Energieart für die Weltwirtschaft bleiben. Die Nachfrage nach Öl wird in den kommenden 20 Jahren weiterhin steigen, im Wesentlichen bedingt durch starkes Wachstum in den Schwellenländern. Dies ist einfach zu erklären: Je wohlhabender diese Länder werden, desto größer wird die Zahl der dort zugelassenen Fahrzeuge und für den Betrieb dieser Autos und Motorräder werden somit Mineralölprodukte nachgefragt. 

Wir gehen davon aus, dass Erdgas unter den fossilen Energieträgern bis 2035 am schnellsten wachsen wird. Dies wird getrieben durch starke Zuwächse auf der Versorgungsseite. Bei US Shale Gas zum Beispiel, ebenso wie beim verflüssigten Erdgas (LPG), das viel leichter handelbar ist. Der Anteil von Shale Gas an der Gesamtförderung von Erdgas wird von 10% im Jahr 2014 auf fast 25% im Jahr 2035 steigen. Darüber hinaus ist zu beachten, dass strengere Umweltauflagen seitens der Gesetzgeber eine Abkehr von kohlenstoffintensiveren Energieträgern, wie z.B. der Kohle, begünstigen werden.“

6. Verdrängungsprozess: Shale Oil und Gas werden weiter für Überraschungen sorgen

„Wie andere Fachleute sind auch wir überrascht, wir stark die Entwicklung bei der Förderung von Shale Gas und Tight Oil in den USA ist. Für beide Energieträger sagen wir wachsende Fördermengen für die nächsten 20 Jahre voraus; bei Tight Oil werden sich die Steigerungsraten wohl aufgrund der abnehmenden Ressourcenbasis verlangsamen. 

Basierend auf aktuellen Schätzungen scheinen die Vorkommen beim US Shale Gas weitaus umfangreicher zu sein, sodass wir hier für die kommenden zwei Dekaden nachhaltig starkes Wachstum prognostizieren. Shale Gas wird somit eine zunehmend wichtigere Rolle bei der weltweiten Erdgasversorgung spielen. 

Wird uns die Entwicklung bei Shale-Vorkommen vielleicht nochmals überraschen? Während wir in unserem Base-Case Szenario davon ausgehen, dass Shale Gas einen Anteil in Höhe von ca. 25% an der globalen Versorgung mit Erdgas einnimmt, besitzt es im Rahmen alternativer Annahmen – die von einem größeren Potential ausgehen – im Jahr 2035 einen Anteil von fast einem Drittel am Weltmarkt.“

7. Keine Kristallkugel: Die Vorhersage der globalen Energieanforderungen ist keine exakte Wissenschaft.

„Beim BP Energy Outlook geht es nicht darum, in eine Kristallkugel zu schauen und vorzugeben, wir könnten die Zukunft genau voraussagen. Wir versuchen lediglich, die wesentlichen Einflussfaktoren zusammenzufassen, welche die globalen Energiemärkte der Zukunft prägen werden – einschließlich der verschiedenen Unwägbarkeiten, die mit ihnen einhergehen.

Liegen wir mit unseren Einschätzungen immer richtig? Nicht immer, aber wir analysieren unsere verfügbaren Daten jederzeit mit großer Sorgfalt und Objektivität. Für die diesjährige Ausgabe haben wir viel Zeit investiert, um herauszuarbeiten, in welchen Bereichen Dinge sich anders entwickelten als wir in der Vergangenheit erwartet haben. Wir haben sichergestellt, dass diese Erkenntnisse Eingang gefunden haben in unsere Prognosen für das Jahr 2016, so haben wir u.a. die Vorhersage für die Entwicklung der erneuerbaren Energien im Vergleich zum letzten Jahr überarbeitet.“

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