40 Jahre Chemikantenausbildung in der Raffinerie

Seit vier Jahrzehnten werden in der Raffinerie BP Lingen Chemikanten ausgebildet. Der erste Jahrgang in diesem Ausbildungsberuf startete im Jahr 1976, damals noch unter der Flagge der Wintershall AG. Von den elf jungen Männern dieses Ausbildungsjahrgangs sind heute noch fünf Mitarbeiter bei BP Lingen beschäftigt.

An ihre ersten Jahre in der Raffinerie können sich Heinrich Kues und Bernhard Meiners noch gut erinnern: „Wir hatten Glück, eine Ausbildungsstelle bei der Raffinerie zu bekommen. Zu damaliger Zeit war es sehr schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden. Das erste halbe Jahr haben wir an der Werkbank verbracht und gefeilt“, blickt Bernhard Meiners zurück. „In den Anfangsjahren war die Raffinerie mit den Rohöldestillationsanlagen und einigen Nachverarbeitungsanlagen noch nicht so komplex wie heute. Durch die sukzessive Erweiterung des Anlagenverbunds  wurde unsere Arbeit immer umfangreicher“, ergänzt Heinrich Kues. 

„Die Raffinerie war damals einer der ersten Betriebe, die diesen Ausbildungsberuf im Emsland einführte. Heute blicken wir auf 40 Jahre erfolgreiche Chemikantenausbildung zurück. Als einer der größten Ausbildungsbetriebe der Region sichern wir unseren eigenen Nachwuchs. Besonders stolz sind wir darauf, dass wir seit zehn Jahren Chemikantinnen ausbilden“, sagt Ausbildungsleiter Volker Suresch. Mit Lara Wichmann aus Meppen konnte BP Lingen im August 2016 ihren 500. Chemikanten-Azubi begrüßen. Dass dies gerade eine Frau ist, zeigt, dass sich zunehmend auch Frauen für diesen Beruf interessieren, der lange als Männerdomäne galt. Seit vier Jahren bietet die Raffinerie sogar ein Teilzeit-Schichtmodell an, um gerade Müttern eine Rückkehr in diesen Beruf zu ermöglichen. Heute sind 25 Mitarbeiterinnen als Chemikantin bei BP Lingen tätig.

Von den ausgebildeten Chemikanten haben die meisten ihr gesamtes Arbeitsleben in der Raffinerie verbracht oder sind noch immer in den verschiedensten Bereichen und Anlagen bei BP Lingen tätig. „Das kommt nicht von ungefähr. Gute Ausbildungsbedingungen, ein Anschlussvertrag und tarifliche Bezahlung sind nur einige der Gründe“, sagt Bernhard Niemeyer-Pilgrim, Mitglied der Geschäftsführung und selbst Auszubildender Anfang der 80er Jahre. Er weiß um das hohe Gut langjähriger Mitarbeiter. „Die Erfahrung, die sie mitbringen, ist eine wichtige Säule unseres Betriebes. Dass wir von dem ersten Jahrgang noch fast die Hälfte bei uns beschäftigen, ist beeindruckend.“

Ausbildung im Wandel
In den 40 Jahren hat die Ausbildung zum Chemikanten (früher Chemiefacharbeiter) einige Wandel erlebt. Eine große Veränderung war die Ausgliederung des werkseigenen Ausbildungslabors. Bis vor zehn Jahren wurden die Chemikanten im eigenen Laboratorium unterrichtet, das auch andere Betriebe der Region für ihre Auszubildenden nutzten. „Als eine hohe Investition in das Ausbildungslabor anstand, gingen BP Lingen, der Landkreis Emsland und die Berufsbildenden Schulen einen eigenen, kooperativen Weg. Zum Schuljahr 2006/2007 wurde das BGJ Chemie (heute Berufsfachschule) eingeführt und in diesem Zuge ein Ausbildungslabor an den Berufsbildenden Schulen errichtet“, so der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Reinhold Diekamp. BP Lingen hatte sich mit 80 Prozent (1,9 Mio. Euro) an den Gesamtkosten des Neubaus beteiligt und übernimmt bis heute einen Teil der laufenden Kosten. Das Lehr-Labor ist hochmodern ausgestattet und ermöglicht den Auszubildenden praxisorientiertes Lernen unter optimalen Bedingungen. Der erfolgreiche Abschluss der Berufsfachschule Chemie ist Voraussetzung für eine Ausbildung zum Chemikanten bei BP Lingen und wird auf die Ausbildungszeit angerechnet.